Back Down to Earth

[Buchrezension] Wo die Liebe tötet - Jennifer Shaw Wolf

Irgendwie schaffe ich den Weg zurück zum Van, bevor ich völlig zusammenbreche. Ich steige ein, lege die Arme auf das Lenkrad und schluchze und schluchze. Trips Augen. Das Bild davon, wie er mich zum letzten Mal ansah, wie er überhaupt irgendjemanden zum letzten Mal ansah, ist in mein Gedächtnis gebrannt. Er hat mich angesehen, als ob er Angst vor mir hätte, als ob er ein Gespenst gesehen hätte. Die ganze Zeit über habe ich mich gefragt, was in dieser Nacht passiert ist, wie es zu meiner Verletzung kam, wie Trip schließlich von der Klippe raste. Nun wirft jeder Herzschlag nur noch eine Frage auf:
Was habe ich getan?

INHALT
Allies Freund Trip ist in der Nacht des in der Stadt so beliebten Sommerballs gestorben - und sie selbst wurde blutend am Straßenrand gefunden, kann sich jedoch an nichts erinnern. Der Vater des Jungen setzt nun allerdings alles daran, ihre Schuld zu beweisen, und zieht daher einen neuen Polizisten für die Ermittlungen zurate. Doch erst als Allie ihre frühere Freundschaft zu Blake wieder entdeckt, traut sie sich, sich ihren Erinnerungen zu stellen und merkt dabei, dass mit Trip nicht alles so schön war, wie es nach außen hin schien...

MEINE MEINUNG
Jennifer Shaw Wolfs Debütroman "Wo die Liebe tötet" wirkt nach außen hin zwar wie ein ganz normaler Jugendthriller mit ein bisschen Romantik und Rätselraten - ist praktisch aber tatsächlich ganz anders, denn es geht vor allem um Gewalt und den Umgang damit. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Allie, der Schreibstil ist dabei sehr flüssig und mitreißend, durchsetzt mit bildhaften Beschreibungen und insgesamt absolut authentisch.

Allie ist eine anfangs sehr ängstliche Protagonistin, die sich fast vollständig in sich selbst zurückzieht. Da dieses Verhalten aufgrund ihrer Geschichte aber eigentlich nur normal ist, kann man sich trotzdem gut mit ihr identifizieren. Im Laufe der Handlung macht sie eine Entwicklung zu einer mutigeren und stärkeren jungen Frau durch - dies, wie wir erfahren, sogar bereits zum zweiten Mal. Ihr Love Interest Blake hat zwar eine kriminelle Vergangenheit, ist aber auch schon in Kindheitstagen ihr bester Freund gewesen, und hilft ihr nun über die schweren Erlebnisse hinweg. An ein paar Ecken und Kanten bleibt er noch etwas blass, ansonsten aber schließt man ihn aufgrund seiner sympathischen Art schnell ins Herz.

Die meisten anderen Figuren sind ansonsten geprägt von Vorurteilen, ihrer bedingungslosen Liebe zu Trip und ihrem Hass auf Allie, weil sie nicht verstehen können oder wollen. Ihre Eltern sind ihr zu Anfang ebenfalls keine große Hilfe, weil insbesondere Allies Mutter lieber dran vorbeischaut, anstatt sich mit Problemen auseinanderzusetzen. Ein großer Sympathieträger ist jedoch der behinderte Zwillingsbruder Andrew, der seiner Schwester in jeder Situation beisteht und ihr hilft. Aber auch andere Figuren verändern sich mit der Zeit, dabei auch anders als erwartet, was immer wieder für Überraschungen sorgt.

Die Geschichte selbst ist dann auch weitaus ausgeklügelter als zumindest ich es anfangs vermutete. Ich war mir der Auflösung schnell sicher, schließlich gibt es von Anfang an genug Hinweise auf Trips Taten und deren Folgen. Tatsächlich ergeben sich aber im Roman immer wieder unvorhergesehene Entwicklungen, und das nicht nur bei der Charakterentwicklung. Die neue Liebesgeschichte wäre dabei nicht unbedingt nötig gewesen, ist aber in der Tat ganz niedlich, überhaupt nicht kitschig und passt aufgrund von Blakes Wissen im Hinblick auf Trip und seine Natur durchaus gut ins Bild.

Fast die gesamte Zeit über bleibt der Roman spannend, weil Allie neuen Dingen in ihren Erinnerungen auf die Spur kommt oder es wieder einmal Probleme mit den ignoranten Bewohnern ihrer Stadt gibt. Zwischenzeitlich ergeben sich ein paar kleinere Längen bei eher unwichtigen Gesprächen, das ist aber nicht weiter schlimm. Allies sie zwischenzeitlich überfallenden Bruchstücke von Erinnerungen sind dabei sehr gut eingebaut und wirken genauso, wie man sich so etwas vorstellt. Zum Ende hin wird es dadurch dann auch noch einmal richtig fesselnd, als sie endlich die gesamten Gegebenheiten herausfindet. Und hier ergibt sich dann tatsächlich ein gänzlich anderes Bild als ich es zu Anfang von der Nacht, in der Trip starb, hatte - was mir sehr gefiel.

FAZIT
"Wo die Liebe tötet" von Jennifer Shaw Wolf ist kein bisschen klischeehaft, sondern besitzt ein sehr ernstes und tiefgehendes Thema, dessen Besprechung wichtig ist. Der Roman zeigt diese Probleme perfekt auf, ebenso wie Lösungen. Dabei ist er spannend, voller Wendungen und sehr gut charakterisiert. Ich vergebe knappe 4,5 Punkte und eine Empfehlung für Thriller-Fans!



Titel: Wo die Liebe tötet
Originaltitel: Breaking Beautiful
Autor: Jennifer Shaw Wolf
Übersetzer: Manuela Knetsch
Verlag: Kosmos
Seitenzahl: 416 Seiten
ISBN-13: 978-3440135495


   Kommentare:

  1. Ich mag eigentlich keine Thriller, aber Wo die Liebe tötet klingt gar nicht schlecht. Vor allem, wenn Liebe dabei ist, das könnte es ja ein bisschen fröhlicher machen ;-)

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  2. @Juna:
    Also als "fröhlich" kann man das Buch eigentlich wirklich nicht bezeichnen, dafür ist das Thema zu ernst. Und die Liebesgeschichte spielt durchaus eine Rolle, aber keine übergeordnete. Du kannst es ja mal ausprobieren, aber nicht, dass du enttäuscht wirst ;)

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