Back Down to Earth

[Buchrezension] In tiefster Dunkelheit - Debra Webb

Neue SMS.
Sie setzte die Brille auf, glitt mit der Fingerspitze über das Display, und die SMS erschien. 
Eine unterdrückte Nummer.
Er war es.
Gute Nacht, Agent Harris.
Woher wusste er, dass er ihr ausgerechnet jetzt diese Nachricht schicken konnte?
Die Vorhänge waren zugezogen. Ihr Wagen stand in der Garage.
Noch ein Zirpen. Dann noch eines.
Fünf hübsche Mädchen.
Ich hoffe, dass du diesen Mädchen mehr helfen kannst als den letzten.

INHALT
Nachdem die Profilerin Jess Harris einen schwerwiegenden Fehler begangen hat, durch den ein gefährlicher Straftäter auf freien Fuß kommt, scheint ihre Karriere beendet. Da kommt ihr die Ablenkung gerade recht, die ihr Chief Dan Burnett bietet, als er sie für einen Fall um fünf vermisste Mädchen anfordert. Es scheinen keine Verbindungen zwischen ihnen zu bestehen, doch Jess ahnt, dass mehr dahintersteckt. Aber grade als sie der Lösung auf die Spur kommt, meldet sich der Killer bei ihr, um zu spielen...

MEINE MEINUNG
Mit "In tiefster Dunkelheit" startet Debra Webb ihre neue Thriller-Reihe rund um die FBI-Agentin Jess Harris und den Polizisten Dan Burnett, deren gemeinsame Vergangenheit ihnen immer wieder dazwischen funkt. Geschrieben ist der Roman hauptsächlich aus der personalen Sicht von Jess, zwischenzeitlich kommen aber auch Dan oder eines der entführten Mädchen zu Wort. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen und die Beschreibungen dabei detailreich, aber keinesfalls zu ausufernd.

Jess Harris ist eine sehr dickköpfige und mutige Protagonistin, die dazu neigt, Befehle zu missachten und auf eigene Faust zu handeln - selbst dann, als ihr gerade diese Eigenschaft zum Verhängnis geworden ist. Das macht sie zwar stark und unabhängig, gleichzeitig aber auch sehr uneinsichtig. Dan Burnett dagegen leitet die Ermittlungen und muss sich zwangsläufig an Vorschriften halten, dennoch macht ihn seine impulsive und leidenschaftliche Art zu einem würdigen Gefährten für Jess. Die sonstigen Charaktere überzeugen durch ihre Vielfältigkeit; insbesondere Detective Wells kann durch ihre sympathische und ehrgeizige Art punkten.

Der Fall selbst ist in einigen Punkten nichts wirklich Neues - eine Entführung; sich zueinander hingezogen fühlende Ermittler; persönliche Bezüge zu den Opfern; ein gefährlicher Mann, der hinter der Frau her ist -, durch Jess' sehr interessante Ermittlungsarbeit als Profilerin bleibt das Buch jedoch trotzdem spannend. Die Art, den Hinweisen nachzugehen, Vermutungen auf- und Profile zu erstellen, ist faszinierend und durchaus etwas anderes als die sonst oftmals in Thrillern zu findende eher stereotype Ermittlungsweise. Zwar fand ich es schade, dass beide Ermittler in mindestens einen Fall persönlich verstrickt sind, da mir das doch etwas übertrieben vorkam, dieser Aspekt fällt jedoch nicht stark ins Gewicht.

Dass Jess und Dan eine gemeinsame Vergangenheit haben und ihre Gefühle füreinander noch immer noch abgeklungen sind, war für mich dagegen jedoch ein eher gewollter und sehr klischeehafter Spannungsfaktor, der nicht komplett überzeugen konnte. Dafür gelingt es der Autorin hervorragend, später wichtige  Details in die Handlung einzubinden und die letztendliche Auflösung so sehr realistisch und glaubwürdig wirken zu lassen. Leser, die mit recht brutal und grausam beschriebenen Entführungsszenen in Verbindung mit der kranken Psyche von Verrückten eher nichts anfangen können, sollten von diesem Thriller allerdings lieber die Finger lassen - denn es geht durchaus gewaltsam zu. Ich für meinen Teil jedoch war von der Arbeit eines Profilers durchaus fasziniert und bin daher gespannt auf die Fortsetzung, die noch im November auf Deutsch erscheint. 

FAZIT
"In tiefster Dunkelheit" von Debra Webb ist ein zwar an einigen Stellen klischeehafter, insgesamt aber durchaus überzeugender und vor allem spannender Thriller, der besonders durch die interessante Profiler-Arbeit punkten kann. Eine Steigerung in Band 2, "Die Spur des Blutes", ist hier durchaus möglich. 4 Punkte!



Titel: In tiefster Dunkelheit
Originaltitel: Obsession
Autor: Debra Webb
Übersetzer: Stefanie Zeller
Verlag: Egmont LYX
Seitenzahl: 320 Seiten
ISBN-13: 978-3802591136


   Kommentare:

  1. Hallo Sonne.
    Wenn ich Dich richtig gelesen habe, dann ist der vorliegende Thriller einer o h n e Mord. Lobenswert, erscheint mir doch dessen erzählerische Präsenz unter den Angelsächschischen inflationär. Zumindest kann einem der Verdacht kommen, wenn innerhalb eines jeden Falls einer geruhsamen Reihe ("Inspector Barnaby") die Hälfte eines Weilers gemeuchelt wird.

    Vielleicht aber ist Mord nur eine Ausprägung des Erbes eines schwarzen Humors von der Insel...

    bonté

    AntwortenLöschen
  2. @RoM:
    Nun, es gibt im Verlauf des Romans einen Mord, dieser ist aber nicht der Grund für die Ermittlungen, also hast du Recht, ja. Ist denke ich auch mal etwas anderes und hebt sich durchaus ab ;)
    Hier wird "die Hälfte eines Weilers" nicht ermordet, sondern nur entführt, das geht ja :D

    AntwortenLöschen

Der Blog wird 7!

Meine aktuelle Lektüre

Meine aktuelle Lektüre
"Ich bin nicht tot" von Anne Frasier [14/432]

Mein letzter Kinobesuch

Mein letzter Kinobesuch
"Paddington 2" am 02.12.

2017 Reading Challenge

Kittyzer has read 1 book toward her goal of 60 books.
hide
Folge mir auf Facebook
Folge mir auf Twitter