Back Down to Earth

[Buchrezension] Purpurdämmern - Andrea Gunschera

Immer mehr von den Nebelwesen glitten zwischen den Federn herab. Sie ließen silberne Spuren auf Marielles Stirn zurück. Die Prinzessin drehte den Kopf und lächelte im Schlaf. 
"Siehst du." Santino ließ sich zurück in seine Felle sinken. "Die schlechten Träume bleiben im Netz hängen und lösen sich auf, wenn das Morgenlicht sie trifft. Und jetzt ruh dich aus. Morgen wird ein anstrengender Tag."

INHALT
Kens Leben ist ein einziges Chaos: Sein prügelnder Vater hat seine Mutter halb in den Wahnsinn getrieben und sein Bruder zwingt ihn dazu, sich in kriminelle Machenschaften zu verstricken. Als ihm ein Verrat angehängt wird, gehen die gefürchtetsten Schläger der Stadt auf ihn los - und nur knapp kann ihn ein geheimnisvoller Mann retten. Dieser entpuppt sich als Santino, ein mächtiger Magier aus einer anderen Welt und Lehrer desjenigen Mädchens, dem Ken Jahre zuvor einmal begegnet ist und das ihm seitdem nicht mehr aus dem Kopf ging. Er erfährt von Kräften, die er nie für möglich gehalten hätte und von mächtigen Feinden, die alles zerstören wollen. Und es scheint, als wäre es sein Schicksal, bei der Rettung der verschiedenen Welten zu helfen...

MEINE MEINUNG
Andrea Gunscheras "Purpurdämmern" besitzt nicht nur einen wahren Blickfang als Cover, sondern auch eine wirklich ansprechende Geschichte, die ich unfassbar gern mögen wollte. Geschrieben ist der Roman im Präteritum, wobei sich die personale Sicht immer wieder verändert - mal erzählt Ken, mal Santino, mal dessen Schülerin Marielle. So gestalten sich die Eindrücke sehr vielfältig und wenig eintönig, gleichzeitig gelingt es dem Leser so allerdings auch nicht wirklich, eine echte Beziehung zu wenigstens einem der Charaktere aufzubauen.

Der Protagonist ist dennoch eindeutig Ken und mit diesem kann man sich auch am besten identifizieren. Sein Leben ist nicht einfach, denn sein Vater ist grausam und gewalttätig, während sein großer Bruder ihn in kriminelle Machenschaften verstrickt und sein kleiner diesen dafür bewundert. Im Gegensatz zum Klischee ist Ken aber von Anfang an sehr freundlich und gutherzig. Das Mädchen Marielle, eine sogenannte Nebel-Fayeí, hat mich dagegen die meiste Zeit über genervt. Sie ist eine Prinzessin und benimmt sich auch genauso: Aufmüpfig, arrogant, naiv. Die meisten Probleme, die die Figuren im Laufe der Handlungen bekommen, treten durch sie auf den Plan, weil sie selten nachdenkt, bevor sie etwas tut. Am Ende wird sie zwar einsichtiger, meine Sympathie für sie tendierte da aber schon gen Null.

Magier Santino dagegen konnte mich recht gut für sich einnehmen. Er ist gewitzt und kämpferisch, leidenschaftlich und ein wenig geheimnisvoll, dabei manchmal etwas zynisch, aber auch freundlich. Seine Art konnte ich gut leiden, wenn er Marielle auch definitiv zu viel durchgehen lässt. Sonstige Charaktere wie der mysteriöse Buchstabensammler Umo oder die freche, eigensinnige Purpurkatze Nessa sind zwar skurril und geben der Geschichte Leben, bleiben aber auch überwiegend recht blass beziehungsweise konnten mich kaum erreichen.

Andrea Gunschera hat sich mit ihrer Idee sehr viel Mühe gegeben, was man der Geschichte auch anmerkt. Es gibt verschiedene Welten, die durch Portale erreicht werden können - diese werden allerdings durch einen Riss bedroht, der schreckliche Kreaturen ausspuckt. Sowohl bei den verschiedenen Welten als auch bei diesen Monstern bemerkt man die Leidenschaft der Autorin und die Beschreibungen sind absolut gelungen. Ich wollte das Buch also schon allein aus dem Grund mögen, aber es ist mir bis zum Ende nicht gelungen. Irgendwie blieb mir das Geschehen seltsam fern, nur selten fühlte ich mich wie mittendrin und spannend war es für mich fast gar nicht. Die Kämpfe sind toll beschrieben und gut durchdacht, bilden aber auch die einzigen fesselnden Szenen.

Irgendwie ist auch einfach zu viel los. Da sind die Streitereien von Ken und Marielle sowie seine Familienprobleme, da ist die Gefahr durch die Risse und eine drohende Zwangshochzeit - das Ganze nimmt irgendwann überhand und so wirkt es überladen. Da ist es ganz klar, dass sich auch bei 500 Seiten nicht auf jedes Problem wirklich konzentriert werden kann. So werden sie zwar gelöst, aber für mich nicht immer zufriedenstellend. Da am Schluss auch noch einige Fragen offen bleiben, vermute ich, dass ein Band 2 in Arbeit ist. Und auch wenn es am Ende richtig gut, weil spannend und unerwartet, ist, so bin ich mir doch nicht sicher, ob ich hier weitermachen möchte. Dafür interessiert mich der Werdegang der Figuren leider einfach zu wenig...

FAZIT
Andrea Gunscheras Weltentwürfe in "Purpurdämmern" sind wunderbar durchdacht und toll beschrieben, ihre Idee selbst ist recht originell. Ich wollte das Buch mögen - aber die Charaktere waren mir einfach egal und ich fühlte mich oft eher gelangweilt. Für mich war das also nichts - anderen kann das Ganze aber durchaus richtig gut gefallen! Von mir gibt es 3 Punkte.



Titel: Purpurdämmern
Originaltitel: -
Autor: Andrea Gunschera
Übersetzer: -
Verlag: Ueberreuter
Seitenzahl: 512 Seiten
ISBN-13: 978-3800057139


   Kommentare:

  1. Hallo Sonne,

    ich finde das Cover wunderschön und fand auch den Klappentext wirklich interessant.
    Deine Rezension hört sich eigentlich auch danach an, dass die Autorin mal etwas anderes abliefert, es leider nur nicht immer gut umsetzt.

    Es ist wirklich schlimm, wenn die Charaktere einer Geschichte einem als Leser total fremd bleiben. Oder sogar egal sind. Das ist mir hin und wieder auch passiert und hat wirklich jegliches Interesse im Keim erstickt.

    Da nicht alles an dem Buch schlecht zu sein scheint, werde ich es wahrscheinlich trotzdem lesen, deine Rezi aber im Hinterkopf behalten.

    Bin mal gespannt, wie ich das Buch finden werde.

    Liebe Grüße,
    Izzy

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  2. Ja schade! Die Grundidee klingt an sich schon toll und somit blinkte "Purpurdämmern" auch schon länger auf meinem Will-ich-lesen-Radar auf. Ich werde hier wohl erst mal noch weitere Meinungen abwarten und einen Blick in die Leseprobe werfen. Ganz abgeschreckt hast du mich nämlich jetzt auch nicht - wie Izzy schon schrieb, es klingt ja nicht alles schlecht. Andererseits hat der Februar aber auch massig interessante Neuerscheinungen zu bieten und da tue ich mich schon schwer mit der Auslese. Auf jeden Fall eine aufschlussreiche wie schöne Rezi. Danke!

    Liebe Grüße
    Reni

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  3. Das Cover ist ja echt ein hit o.O Schade, dass das Buch nicht hält, was das Cover verspricht :D

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  4. Hm, ich probiere es trotzdem. Die Story klingt einfach anders und das Cover ist auch echt schick, obwohl es darum ja nicht geht.

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  5. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  6. Wie klein die Welt doch ist!
    Ich habe vor einigen Jahren das Manuskript zu: "Die dunklen Farben des Lichts"
    für Andrea Gunschera gegengelesen und war damals fasziniert von ihrer bildlichen Ausdrucksweise.
    Die Charaktere haben mich gefesselt und ich konnte jedem Einzelnen wunderbar folgen.

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  7. @Izzy:
    Das Cover ist definitiv ein echter Hingucker - und die violett-rot-blauen Farbtöne ergeben sogar Sinn ;) Die Idee, die dahintersteckt, ist wirklich einzigartig und schön, aber ich zumindest habe kaum mit den Figuren mitgefühlt, woraus eine ziemliche Langeweile resultierte. Ich hoffe aber ganz stark, dass es dir da besser ergeht und wünsche dir viel Spaß beim Lesen, sollte das demnächst passieren!

    @Reni:
    Ich danke dir für dein Kompliment ;) Also die 20€ sind für das Buch schon ziemlich happig, wenn es einem am Ende so ergeht wie mir und man sich in die Geschichte gar nicht recht einfinden kann. Es ist natürlich möglich, dass es dir da anders ergeht, ich bezweifle es aber ein Stück weit. Die Grundidee allerdings ist die Lektüre wert - nur eben nicht für das Geld, meiner Meinung nach. Ich bin aber mal gespannt, ob du es dir zulegst und ob es dir dann gefällt ;)

    @Jessy Rey:
    Da hast du Recht, das Cover ist wie so oft bei Ueberreuter wirklich, wirklich toll gelungen. Und ich kann natürlich nicht für alle sprechen - aber meiner Meinung nach ist es tatsächlich so, dass nicht gehalten wird, was versprochen wurde. Das kann aber jedem anders ergehen ;)

    @Friedelchen:
    Ich wünsche dir viel [und vor allem mehr] Spaß mit dem Werk! Die Story selbst ist ja echt toll, das könnte dir durchaus gefallen. Ich wäre dann gespannt auf deine Meinung ;)

    @Susanne Redemann:
    War "Die dunklen Farben des Lichts" damals noch der Arbeitstitel? Auch sehr passend! Die Idee fand auch ich wirklich toll, genauso wie den schönen Schreibstil, aber die Charaktere konnten mir einfach nicht recht zusagen. Mit einem anderen Buch der Autorin werde ich es aber sicherlich irgendwann noch einmal probieren!

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  8. Hi, Sonne.
    Der Aufbau erinnert ein klein wenig an Heinrich Töpfer, sein Wandeln zwischen Magiewelt und schnöder Realität.
    Du merkst an, daß zuviel in diesen einen Roman gepackt wurde - also der seltenere Fall im Business, das gelegentlich Dehnen & Strecken zur Maxime erklärt.

    Schade, daß Du keinen Lesespaß hattest.

    bonté

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  9. @RoM:
    Heinrich Töpfer ist mir nicht bekannt - aber Andrea Gunschera verbindet die Realität sehr gut mit den phantastischen Welten, das scheint ja eine Gemeinsamkeit zu sein.
    Tatsächlich mache auch ich eher die Erfahrung, dass in Romanen nur wenig Story enthalten ist - dass es nun hier gerade den umgekehrten Fall gibt und es mich trotzdem nicht so recht begeistern konnte, finde ich äußerst schade. Hier hätte sich für manches, trotz der stolzen Seitenzahl, noch etwas Zeit genommen werden können. Insgesamt aber durchaus kein schlechtes Buch!

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  10. Hi!
    Mit dem "Töpfer, Heinrich" wollte ich nur den guten Harry Potter umschreiben. Eine Prise bayrischer Humor...

    bonté

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  11. @RoM:
    Oh je, wie peinlich. Natürlich kenne ich die bayerisch-deutsche Übersetzung von "Harry Potter", aber irgendwie habe ich die Verbindung hier nicht entdecken können :D

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