Back Down to Earth

[Buchrezension] Die letzte Dämmerung - Ellen Connor

Sie wandte ihnen allen den Rücken zu. Sie konnte nicht darüber nachdenken, Tru und Chris die Entscheidung zu überlassen, ob sie Penny und Ange töten würden, weil die Alternative einfach zu abstoßend war. Sie verabschiedete sich am Ende auch nicht von ihnen, weil sie daran festhalten musste, dass sie zurückkehren würden.
Mason ging voran, und sie folgte ihm hinaus in die eisige Hölle. 

INHALT
Die Zivilisation der gesamten Welt ist kollabiert, doch Jenna Barcley hat immer darauf vertraut, dass ihre Stadt von dem Umbruch verschont werden würde. Dann jedoch steht Ex-Soldat John Mason vor ihrer Tür - und entführt sie kurzerhand, um das Versprechen zu halten, das er einst ihrem Vater gab: Sie zu retten, sollte das Ende nahe sein. Nach kurzer Zeit entsteht zwischen den beiden eine gewisse Spannung und Gefühle füreinander können sie nicht verbergen. Draußen in der Wildnis jedoch lauert Schreckliches und die beiden haben alle Hände voll zu tun, um ihr Überleben zu sichern...

MEINE MEINUNG 
Gemeinsam haben die Autorinnen Ann Agguire und Carrie Lofty nun als Ellen Connor den 1. Band ihrer Endzeit-Dystopien-Trilogie, "Die letzte Dämmerung", vorgelegt, die sich von anderen Reihen des Genres besonders in einem Punkt abgrenzt: Sie ist für Erwachsene, nicht für Jugendliche. Dementsprechend derb ist die Ausdrucksweise zwischenzeitlich, dementsprechend brutal werden die Geschehnisse manchmal auch. Dennoch ist der Schreibstil angenehm und flüssig zu lesen und die verschiedenen Perspektiven - Jenna, Mason und zwischenzeitlich auch die Weggefährten Chris und Tru - lassen sich gut voneinander unterscheiden.

Jenna ist anfangs eine recht verbitterte Frau, denn ihr ganzes Leben musste sie allein für ihre zerbrechliche Mutter sorgen, die immer ihrem Vater nachweinte, der sich lieber als Prophet in den Wäldern versteckte und das Ende der Welt verkündete. Sie ist sehr stark und oft dickköpfig, aber sie besitzt auch eine verletzliche Seite, die verzweifelt nach Liebe und Zuneigung giert. Der attraktive Ex-Soldat John Mason ist noch ein Stück rauer: Gewaltbereit und geradezu grob, aber auch sorgenvoll und beschützend. Erst mit Jenna lässt er Gefühle zu und wird so im Laufe der Handlung weicher, was sehr schön dargestellt ist.

Auch die übrigen Figuren wissen im Großen und Ganzen zu überzeugen. Tru ist ein 15jähriger Rebell mit trotziger und aufmüpfiger Art, der zwar ein klischeehaft gutes und starkes Herz hat, dem Leser aber durchaus sympathisch ist. Die kleine Penny scheint die meiste Zeit über traumatisiert, spricht und tut wenig, weswegen sie nicht leicht einzuschätzen ist - besonders wegen ihrer unheimlichen Gabe, vieles vorauszusagen. Und dann sind da noch der Wissenschaftler Chris, der sich verzweifelt an seine Theorien klammert, sowie Ange, Pennys Mutter, die für Jenna zu einer guten Freundin wird. Beide empfand ich als etwas blass, dennoch fällt dies nicht gravierend ins Gewicht.

Die Geschichte selbst ist durchdacht und spannend, weist allerdings  zwischenzeitlich Ähnlichkeiten zu anderen Dystopien auf: Beispielsweise gibt es auch hier Menschen, die sich in Bestien verwandeln [ob nun vom Körper oder von der Psyche her] und die Überlebenden immer wieder angreifen. Diese Aspekte trüben aber nicht das Lesevergnügen, das sich durch die vielen verschiedenen Charaktere und durch die fesselnde Storyline ergibt. Denn gefährlich wird es nicht nur durch die Monster im Wald, sondern auch durch die eisige Kälte, die den Menschen bald zu schaffen macht. Klar, dass da einige Probleme auftauchen - und sich ein paar davon auch nicht ohne Opfer lösen lassen...

Eine dieser Schwierigkeiten wurde mir aber arg zu einfach gelöst: Nämlich die Situation, nachdem Jenna gebissen wurde. Die Geschehnisse hier waren mir definitiv zu vorhersehbar und unglaubwürdig - eine Alternative hätte ich besser gefunden. Und auch die Beziehung von Mason und Jenna konnte mir nicht komplett zusagen. Zwar passen die beiden zusammen und die Chemie stimmt, dennoch schien mir das Ganze zu sehr auf Sex und Verlangen ausgelegt. Und wenn der erotische Anteil dann auch noch so derb beschrieben wird wie hier, vergeht einem zwischenzeitlich der Spaß. Dennoch machen die Spannung und einige unerwartete Wendungen dies fast wieder wett, sodass ich sehr gespannt bin auf Band 2, der im Juli 2013 erscheinen wird.

FAZIT
"Die letzte Dämmerung" ist eine sehr spannende und etwas brutale Dystopie für Erwachsene, die fesselt, aber auch Kritikpunkte aufweist: Zum Beispiel die etwas blassen Nebencharaktere sowie die für meinen Geschmack zu gewaltsame und eher von Lust angetriebene Beziehung der Hauptcharaktere. Mal sehen, wie es mit der Welt weitergeht in Teil 2, "Die letzte Zuflucht", der im Juli 2013 erscheint. Knappe 4 Punkte!



Titel: Die letzte Dämmerung
Originaltitel: Nightfall 
Autor: Ellen Connor
Übersetzer: Maike Claußnitzer
Verlag: Blanvalet
Seitenzahl: 448 Seiten
ISBN-13: 978-3442268924


   Kommentare:

  1. Das klingt doch alles gar nicht schlecht und nach einem netten Endzeitroman. Aber ganz ehrlich? Gut, dass für die deutsche Ausgabe ein anderes Cover verwendet wurde. Beim Original hätte ich im Buchladen und auch so kaum einen Blick verschwendet. Obwohl es schon zu dem passt, was du über Sex und Verlangen schreibst. Eigentlich weniger mein Fall!
    Die Grundstory an sich spricht mich aber an. Was meinst du, muss ich das unbedingt lesen?

    LG, Reni

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  2. Hi, Sonne.
    Eine Prise zuviel Klischees werfen mir die Autorinnen in den Sauerteig. Die Story scheint spannender Routine zu folgen ("Oh mein Gott, wir werden alle sterben"), aber dann sollte man/frau sich mit um die Ecke gebrochene Figuren befaßen können.

    "Erotik in derber Beschreibung" - da will ich hoffen, daß es nur stilistisch "derb" zur Sache geht. :-)

    Was das ursprüngliche Cover angeht, bin ich eins mit Reni. Ein in Öl getränkter Muskelberg nebst schutzbefohlenem Blondchen. Da pubertieren fröhlich die Jungs...
    Dafür muß die Storyline aber verdammt gut aufgebaut sein!

    bonté

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  3. @Reni:
    Ich kann dir nur sagen, dass ich KOMPLETT das Gleiche gedacht habe, als ich das englische Cover sah. Zu dem derben Sex passt es aber in der Tat. Deswegen muss es schon lange nicht ansprechend sein ;)
    Ich kann nur so viel sagen: Die Story ist interessant, spannend und oftmals mitreißend, durch den [vielen] derben & gewaltsamen Sex wird das Ganze aber zwischenzeitlich getrübt. Ich bin mir nicht sicher, ob das was für dich wäre...Du müsstest dich wahrscheinlich fragen, ob dir die Geschichte wichtiger ist oder ein angenehmer erotischer Anteil ;)

    @RoM:
    Zumindest die Hauptcharaktere haben Ecken & Kanten. Die Nebenfiguren sind aber in der Tat eher ein bisschen weniger gut gelungen. darüber lässt sich aufgrund der interessanten Geschichte hinwegsehen!
    Und zur Erotik: Leider eben nicht nur stilistisch. Auch die Akte sind ein wenig arg gewaltsam - nicht so meins ;) Und wie auch bei Reni kann ich dir bezüglich des Covers nur zustimmen - aber möglicherweise haben die pubertierenden Jungen", wie du sagst, ja auch Spaß an der Erotik hier!

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