Back Down to Earth

[Laberparade] Unearthly: Dunkle Flammen - Cynthia Hand

Ich komme zum See. Als ich ihn überfliege, zeigt sich mein Spiegelbild als verschwommene Reflexion von schimmerndem Weiß auf der dunklen, vom Mond zart berührten Wasseroberfläche. Einen Moment lang sehe ich mich wie den Pelikan das Wasser streifen. Ich schwinge mich hinunter und spüre die Kühle des Sees durch meine Finger gleiten. Ich tanze mit dem glitzernden Licht des Mondes. Ich lache.
Ich werde es schaffen, sage ich mir. Ich werde ihn retten.

INHALT
Clara ist anders als all die anderen Mädchen auf der Highschool: Ihre Haare leuchten, wenn sie besonders intensiv fühlt, sie kann vieles besser als andere - und sie besitzt Flügel. Denn ihre Mutter gehört zu den Nephilim und auch in Claras Venen fließt Engelsblut. Mit übernatürlichen Kräften ausgestattet, wird sie selbst zu einem Schutzengel werden. Vorausgesetzt, sie besteht ihre Bewährungsprobe. Doch die ist schwieriger als erwartet: Clara muss sich entscheiden – zwischen Himmel und Hölle, zwischen Christian und Tucker ...

MEINE MEINUNG

SCHREIBSTIL
Protagonistin Clara erzählt ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive im Präsens und schildert anschaulich ihre Gedanken und Gefühle. Der Stil ist dabei jugendlich und frisch, aber nicht umgangssprachlich, und so sehr angenehm zu lesen. Besonders die Beschreibungen der Visionen, die sie immer wieder überfallen, sind anschaulich und detailreich, sodass man sich alles perfekt vorstellen kann.

CHARAKTERE
Alle Figuren haben ihre Ecken und Kanten, was den Roman von Anfang an lebendig erscheinen lässt. Nicht jeder kann jedoch durchweg überzeugen. Clara selbst ist recht sympathisch und bis auf den engelhaften Aspekt eine relativ normale Jugendliche, die aber zum Glück wenig naiv ist. Nur hat sie manchmal sehr egoistische Ansichten, was sich erst zum Ende hin legt. Christian, den Jungen aus ihrer Vision, empfand ich hauptsächlich als langweilig und zu perfekt, weswegen mein Herz von Beginn an für Tucker schlug - dern gutaussehenden Cowboy mit einem Herzen aus Gold.
Auch Nebenfiguren wie Wendy, Angela oder Claras Mutter überzeugen durch Authentizität, besonders letztere wirken aber zwischenzeitlich etwas übertrieben in ihrer jeweiligen Art.

STORY
Bücher über Engel wie diese sind sicherlich nichts Neues: Eine Vision, eine himmlische Aufgabe, Flügel. Dennoch besitzt die Geschichte sehr interessante Anhaltspunkte, besonders, was die Sache mit den Himmelswesen und deren Gegenspielern angeht. Allzu viel erfährt man in diesem Band noch nicht, dies kann aber noch kommen. Alles arbeitet auf Claras Mission hin, die bis fast zum Schluss vage bleibt und auch dann noch nicht völlig geklärt ist, was es jedoch spannend bleiben lässt. Besonders überzeugen konnte mich allerdings vor allem die Liebesgeschichte. Auch hier gibt es eine [recht unnötige] Dreiecksbeziehung eingebaut, ich bin jedoch guter Hoffnung, dass diese so ausgeht, wie ich mir das wünsche - die beiden sind einfach zu süß!

SPASSFAKTOR
Durch die recht wenig kitschige, aber mitreißende, Liebesgeschichte hatte ich persönlich sehr viel Spaß am ganzen Roman. Zwischenzeitlich zieht sich das Ganze etwas, wenn keine neuen Erkenntnisse kommen oder Clara als einzigem Hobby ihrer peinlichen Besessenheit von Christian nachgeht. Diese Passagen werden aber immer schnell von spannenderen Szenen abgelöst, sodass der Aspekt nicht groß ins Gewicht fällt. Durch die zumeist sympathischen Charaktere und die interessanten Geschehnisse bleibt die Zufriedenheit beinahe die ganze Zeit auf einem guten Level.

FAZIT
Der erste Band der "Unearthly"-Trilogie hat meiner Meinung nach noch Luft nach oben. Ich kann ihn nicht als Revolution bei Romanen dieser Art sehen, für einige unterhaltsame Stunden und Lust auf mehr hat es aber definitiv gereicht. Gute 3,5 Punkte!

 


Titel: Unearthly: Dunkle Flammen
Originaltitel: Unearthly
Autor: Cynthia Hand
Übersetzer: Katrin Weingran
Verlag: rororo
Seitenzahl: 432 Seiten
ISBN-13: 978-3499256981



   Kommentare:

  1. Schöne Rezension! Schade, dass es nicht zu mehr Punkten gereicht hat... ;) Hab ich dir trotzdem einen Gefallen tun können? Ich hoffe mal!

    Dann bin ich mal gespannt, was du dir als nächstes von meinen Büchern herauspickst. Darfst du natürlich! ;D

    Liebe Grüße
    Lisa

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  2. @Lisa:
    Du weißt ja, ich bin einfach sehr kritisch. Selbst wenn ich begeistert bin von einem Buch zähle ich noch Mängel auf, also...ähm ;D
    Du weißt, ich bin froh darüber, dass du mir das Werk ausgeliehen hast und ich freue mich schon auf das nächste von dir <3

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  3. Hallo Sonne.
    Wie sich die Charaktere in JA-Romanen stets schnell für die (große) Liebe erwärmen, dürfte zum sine non qua der Sparte zählen. Dabei ist Liebe nicht per se mit dem Kippen eines Schalters vergleichbar. So betrachtet wären innere Zweifel, Unsicherheiten Dritten gegenüber, oder gar schlichtes "Desinteresse" dramaturgisch buntere Varianten. Es müßte ja nicht gleich die Intensität eines Jane Austen-Romans annehmen. :-)

    bonté

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  4. Eine überzeugende Laberparade!
    Ist der Unterschied zwischen Rezension und Laberparade, dass es bei letzteter diese Kategorien gibt?

    Größtenteils kann ich dir zustimmen ;)
    Die Dreiecks-Geschichte (die zum Glück nicht soo übertriegen war, wie ich befürchtet hatte) ist unnötig, aber Tucker mag ich auch!

    Klasse finde ich auch, dass diesmal Clara das geheimnisvolle Mädchen ist und Tucker verwirrt ist und erst hinter ihr Geheimnis kommen muss.
    Oft ist es ja anders.

    Vor kurzem habe ich übrigens auch "Die 5 Leben der Daisy West" ausgelesen und nur einen knappen Punkt mehr vergeben als du. Das Buch konnte mich auch nicht überzeugen...

    Liebe Grüße
    Charlie

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  5. @RoM:
    Tatsächlich ist Clara von Tucker - meinem Lieblingskerl hier ;) - anfangs nicht sonderlich begeistert. Möglicherweise hat das zu der Begeisterung meinerseits geführt, denn dieses non plus ultra der schnellen Liebesgeschichten in solchen Romanen nervt mich!
    Wobei ich Intensität bei Romanzen schon ganz gern habe ;)

    @Charlie:
    Ja, das hast du gut erfasst - die Laberparade ist unterteilt und fasst sich etwa 2 Absätze kürzer. Da muss ich mir dann also nicht ganz so viele Gedanken machen ;)
    Und ja, ich kann dir nur zustimmen, Tucker sowie ihre Besonderheit haben das Buch für mich von der breiten Masse abgehoben. Mal schauen, wie da Band 2 ist ;)
    Ich bin ansonsten schon mal sehr gespannt auf deine Rezension zur Daisy West - bin ein wenig erleichtert, dass es dir auch nicht zu gefallen wusste :D

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  6. Noch ein Schmöker, der ungelesen auf meinem SuB verweilt. Oha, viele waren bisher schwer begeistert, bei dir scheint es doch nur Mittelmaß zu sein. Aber Luft nach Oben ist ja auch nicht schlecht, dann kann man in den Folgebänden vielleicht noch positiv überrascht werden. Besser als umgekehrt. Ich will "Unearthly" auch noch lesen, obwohl die Leseprobe für mich auch schon ein bisschen typisch Romantasy war, aber doch neugierig machte. Genau wie deine Laberparade, die für Nebenbei wirklich sehr erfrischend ist. :D

    Liebe Grüße
    Reni

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  7. @Reni:
    Die Begeisterungstürme kann ich, um ehrlich zu sein, nicht recht nachvollziehen. Dafür war mir die Geschichte etwas zu platt und Christian zu langweilig. Spannend und interessant ist es [die meiste Zeit über] aber auf jeden Fall! Ich hoffe, dass da die Folgebände tatsächlich das Potenzial ausnutzen.
    Und danke dir, ich habe gehofft, dass die Laberparade - ich gebe zu, am Titel könnte noch gefeilt werden - würde ganz gut ankommen ;)

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