Back Down to Earth

[Buchrezension] Die Gestoßenen - Stefan M. Fischer

Die Zitrone fiel, als Tarabas ein Knacksen hinter sich zusammenzucken ließ. Erschrocken drehte er sich um und sah die Siamesische Zwillingswespe vor sich stehen.
"Isse schöne Tag", meinte der eine Kopf.
"Um zu sterben", sagte der andere.
Tarabas setzte vor Schreck einen Schritt zurück und trat auf etwas Rundes. Er kippte hintenüber, sah die Zitrone zur Siamesischen Zwillingswespe rollen, und schlug sich den Kopf so hart, dass er das Bewusstsein verlor.

INHALT
Schon lange möchte der junge Glatzköpfler Tarabas das tun, was ihm seiner Meinung nach vom Schicksal vorherbestimmt wurde: In den Krieg ziehen. Als die Siamesische Zwillingswespe verbreitet, dass sich die ausgestoßenen Abandonier vermehren und schreckliche Ungeheuer heranziehen würden, ruft Hornissengeneral Uldin zum Kampf auf - und Tarabas sieht seine Chance gekommen. Doch dann muss er plötzlich gemeinsam mit seinem besten Freund fliehen und landet zu allem Übel auch noch geradewegs im Land der Abandonier. Doch da entdeckt er, dass diese gar nicht so furchtbar sind wie gedacht...

MEINE MEINUNG
In der Fülle der Fantasy-Romane ist es mittlerweile sehr schwer, mal einen zu finden, der sich von der breiten Masse abhebt. Bei Stefan M. Fischers "Die Gestoßenen" ist aber schon beim Klappentext klar, dass einen hier etwas anderes erwartet - und, wie es auf dem Cover steht, auch etwas "Skurriles". Hier kann man nach völlig normalen oder gar perfekten Figuren lange suchen, was das Ganze so besonders macht. Der Schreibstil ist meistens flüssig, manchmal blutig und selten übertrieben albern. Allerdings sollte man sich tatsächlich auf allerlei Merkwürdigkeiten einstellen und mit diesen auch zurecht kommen.

Protagonist ist der Glatzköpfler Tarabas, der vollkommen besessen ist vom Krieg und davon, sich endlich zu beweisen. Denn sein Vater war ein Feigling und um diese Schmach endlich vergessen zu können, muss er selbst zum Helden werden. Er ist durchaus sympathisch, allerdings lassen ihn seine Besessenheit vom Kampf und besonders seine Uneinsichtigkeit zwischenzeitlich etwas nervig wirken. Zum Ende allerdings macht er eine schöne Wandlung durch, wenn diese auch ein klein wenig plötzlich kommt. Sein bester Freund Vincent ist der besonnenere der Beiden und vor allem der mit dem größeren Herz - denn er setzt sich auch für die Schwachen ein und möchte all seinen Freunden nur Gutes. So wurde er für mich zum hauptsächlichen Sympathieträger.

Ansonsten werden hier einige kuriose Charaktere eingeführt: Da ist eine junge Elfe mit Sprachfehler, die sich immer zu mit dem mit einem Fluch belegten Drachen Goncko kabbelt. Oder Waldipert, ein Untoter, der seiner Frau hinterhertrauert. Die Siamesische Zwillingswespe, die aus einer guten und einer bösen Seite besteht, von denen letztere einen bayrischen Akzent hat. Oder der Hornissengeneral Uldin, der die letzte Niederlage nicht verkraften kann und nun um jeden Preis gewinnen will - und der, um sich zu stärken, auch nicht davor zurückschreckt, Leute aus seinen eigenen Reihen zu fressen. All diese Figuren sind vollkommen unterschiedliche Persönlichkeiten und sehr interessant, zwischenzeitlich wird diese Fülle an Charakteren aber auch zu viel.

Es ist absolut erfrischend, endlich mal ein Buch zu lesen, in dem keine der Personen auch nur ansatzweise perfekt ist. Selbst zierliche Wesen wie die Elfe Nahiel haben ihre Macken, was es dem Leser ermöglicht, sich schnell mit ihnen zu identifizieren. Allerdings wirken die Dialoge so auf diese Art - immer darum bemüht, etwas Verrücktes einzubauen - zwischenzeitlich recht übertrieben und  unglaubwürdig. Weniger wäre an manchen Stellen mehr gewesen. Aufgrund der originellen Geschichte kann man jedoch meistens darüber hinwegsehen. Tarabas' Weg zu seinem Seelenlied, das die Charaktere in der Geschichte singen können, sobald sie ihren inneren Frieden gefunden haben, ist steiniger und vor allem ein vollkommen anderer als er ihn sich vorgestellt hat. Denn entgegen seiner Erwartungen sind die Abandonier keine Monster, sondern freundliche Wesen. Und er muss sich entscheiden...

Die Glaubwürdigkeit dessen, dass eine Armee von 1000 Mann in den Krieg zieht, um - wie es dargestellt wird - ungefähr 20 Abandonier abzuschlachten, weil die Siamesische Zwillingswespe ein Gerücht in die Welt gesetzt hat, sei mal dahin gestellt. Denn ansonsten weiß der Roman durch Originalität und einen tieferen Sinn absolut zu punkten. Hier wird klar, dass niemand perfekt sein muss, wodurch das Ganze einen schönen Unterton erhält. Das Ganze arbeitet zum Ende hin eigentlich auf ein heftiges Gemetzel hin - stattdessen aber überrascht der Autor mit einer Wendung, die der Leser so nicht erwartet hätte und die dennoch komplett überzeugen kann, weil schließlich doch jemand ganz anderes für den Frieden sorgt. So findet das Werk auf eine völlig unerwartete Weise zu einem guten Abschluss und macht möglicherweise auch Lust auf mehr.

FAZIT
Stefan M. Fischers "Die Gestoßenen" hebt sich von der Masse der Fantasy-Romane durch skurrile Figuren und eine neuartige Geschichte ab. Zwar wird das Ganze zwischenzeitlich etwas albern und auch Logikfehler gibt es den ein oder anderen, dennoch sorgt das Buch für einige unterhaltsame Lesestunden. Gute 3,5 Punkte.



Titel: Die Gestoßenen
Originaltitel: -
Autor: Stefan M. Fischer
Übersetzer: -
Verlag: Staubkorn
Seitenzahl: 151 Seiten
ISBN-13: 978-3943516036

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