Back Down to Earth

[Buchrezension] Töchter des Mondes: Cate - Jessica Spotswood

Mir fällt Elenas Warnung wieder ein, dass Maura zu verärgern hieße, das Schicksal herauszufordern. Sie hat mir versprochen, zu tun, was sie kann, um uns alle drei zu beschützen - aber so wie sie es gesagt hat, klang sie selbst nicht überzeugt - und so wie Elena mich angesehen hat, ihre braunen Augen voller Mitleid -
Brennas gespenstische Stimme: Du kannst es aufhalten, aber nicht ohne Opfer.
Mutter hat an die Prophezeiung geglaubt. Elena glaubt daran. Die Schwesternschaft glaubt daran.
Wie soll ich es aufhalten?

INHALT
Cate und ihre Schwestern Maura und Tess sind Hexen. Niemand darf davon erfahren, denn Hexen drohen in ihrem Dorf Verbannung und Tod. Die Gefahr, aufzufliegen, lastet schwer auf Cate. Vor allem seit Finn aufgetaucht ist, dieser Junge mit den Zimtsommersprossen und dem kupferroten zerzausten Haar. Verzweifelt sucht Cate nach einem Ausweg und stößt im Tagebuch ihrer toten Mutter auf eine rätselhafte Prophezeiung, die besagt, dass drei Schwestern mit magischen Kräften die Hexen zurück an die Macht führen werden - oder eine neue Schreckensherrschaft beginnen. Handelt es sich dabei um Cate, Maura und Tess? Und kann es eine gemeinsame Zukunft für Cate und Finn geben?

BUCHAUFMACHUNG
Auch dieses Buch aus dem Verlag INK wartet wieder mit einer wunderschönen Gestaltung auf, welche vom Original übernommen wurde. Zwar ist auf dem Cover ein Mädchen zu sehen, dennoch hebt es sich dadurch ab, dass es im Ganzen abgebildet ist und auf dem Rücken liegend den Betrachter ansieht. Dabei verdeutlicht das Gras im Hintergrund und die Blumen im Haar Cates Leidenschaft für das Gärtnern. Sehr passend und toll anzusehen noch dazu, besonders, da das Buch selbst in etwa dasselbe Motiv aufweist, nur mit einer Libelle.

MEINE MEINUNG
Ich gebe zu, bei Young Adult-Jugendbüchern bin ich mittlerweile oftmals sehr skeptisch, besonders, wenn noch Historie mit ihm Spiel ist. Oft werden die Fakten vernachlässigt und die Liebesgeschichte in den Vordergrund gestellt. Hier allerdings wurde ich positiv überrascht - denn der 1. Band der "Töchter des Mondes"-Trilogie besitzt alles, was ein gutes Jugendbuch braucht.

Jessica Spotswood schreibt ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive von Protagonistin Cate, wodurch man deren Gedanken, Ängste und Emotionen sofort perfekt nachvollziehen kann. Zwar sind die Eindrücke von Personen so etwas einseitig, dies stört aber nie wirklich. Der Schreibstil ist dabei flüssig und an einigen Stellen beinahe schon ein wenig märchenhaft - besonders die Umgebungsbeschreibungen sind wunderschön gelungen und vermitteln perfekt das Bild des 19. Jahrhunderts. Das genaue Jahr wird nie genannt, nur durch einige Hinweise erfährt man überhaupt, wann sich das Ganze ungefähr abspielt.

Cate ist von Anfang an eine sehr sympathische Hauptperson, die sowohl stark als auch sehr verletzlich sein kann. Das Wichtigste für sie ist, ihre Schwestern zu beschützen und erst danach kommt alles andere. Zwischenzeitlich wirkt sie arg bevormundend und auch etwas zu misstrauisch, dennoch wird sie nie unglaubwürdig und ihre Sorgen sind immer verständlich. Mit ihrer 15jährigen Schwester Maura, mit der es schon länger Spannungen gibt, konnte ich dagegen weniger anfangen. Sie ist sehr impulsiv, leicht aufbrausend und ein Wirbelwind, die meiste Zeit der Handlung vor allem aber beleidigt wegen etwas, das Cate ihr gesagt hat. Dabei konnte ich nie nachvollziehen, warum sie im Anbetracht der Gefahren so handelt wie sie handelt. Die Liebenswürdigste ist wohl Tess, die Jüngste, denn diese ist klug, freundlich und verständnisvoll, was einem Raum zum Durchatmen gibt.

Cates große Liebe Finn ist - natürlich - sehr gutaussehend, aber auf eine andere Art: Er besitzt eine Brille, hat rote Haare und Sommersprossen. Und genau wie die Protagonistin kann man als Leser gar nicht anders, als sich ebenfalls in ihn zu vergucken. Er hat eine ernste, aber auch eine zärtliche Seite und seine Art ist insgesamt sehr angenehm, was ihn sehr schnell zu einer der Lieblingspersonen macht. Die Brüder, die die Frauen unterdrücken und für Recht und Ordnung sorgen, waren mir teilweise ein wenig zu durchweg böse, dies fällt aber nicht weiter auf. Interessant fand ich dagegen die Wandlung zweier, wie es scheint, hochnäsiger Mädchen, die sich als Freundinnen und Helferinnen entpuppen.

Die Autorin verwebt ihre phantastische Geschichte sehr geschickt mit historischen Fakten über Kleidung, Stil und Fortbewegungsmittel, wodurch sich der Leser sehr schnell an die frühere Zeit gewöhnt. Das Interessante an der Story ist wohl, dass die Protagonistin weder erst die Kräfte neu entdecken muss, die in ihr schlummern, noch, dass sie völlig normal damit leben kann. Denn in diesem Dorf - und auch darüber hinaus - werden Frauen unterdrückt und beim kleinsten Anzeichen von Ungehorsam als Hexen verbannt. Daher lebt Cate in ständiger Angst um sich und ihre Schwestern. Als ihr Vater dann auch noch eine Gouvernante der Schwesternschaft einstellt, die beginnt herumzuschnüffeln, ist das Chaos perfekt. Nebenbei muss sie sich auch noch Gedanken darüber machen, ob und wen sie heiraten will. Da ist Paul, der sie will. Und da ist Finn, den sie will...

Die Liebesgeschichte geht wie immer in solchen Büchern relativ schnell, aber nicht so schnell, dass es unglaubwürdig wäre. Finn und Cate passen perfekt zueinander und sind wunderbar niedlich zusammen, weshalb man ein paar frühe - aber zum Glück wenig kitschige - Liebesschwüre durchaus verzeihen kann. Außerdem stehen die Gefühle dieser Art nicht im Vordergrund, viel wichtiger ist die Prophezeiung und die Sicherheit der drei Schwestern. So werden im letzten Drittel einige Geheimnisse aufgedeckt und besonders ein Schockierendes im Bezug auf die Vorhersage, die auch dem Leser einiges Kopfzerbrechen bereitet. Kurz vor Schluss wird es dann noch einmal richtig dramatisch und dann endet das Buch mit einem solchen Cliffhanger, dass man als Leser schon arg schockiert ist. Dass es im nächsten Band offenbar um eine andere Schwester gehen wird, macht es da nicht leichter. Genauso wenig wie der Aspekt, dass es bis zur Veröffentlichung dessen noch ein Jahr dauert. Nun heißt es warten...

FAZIT
Der 1. Teil der Reihe um die "Töchter des Mondes" besitzt eine sympathische Protagonistin, eine romantische und süße Liebesgeschichte und fesselt die gesamte Zeit über durchweg. Die Gefühle von Cate und Finn waren mir allerdings etwas zu schnell da und das Ende kam meiner Meinung viel zu abrupt - Cliffhanger sind eben nicht immer schön, besonders, wenn es ein langes Warten bedeutet. Daher "nur" gute 4 Punkte, aber ein Heißhunger auf Band 2!


   
Titel: Töchter des Mondes: Cate
Originaltitel: Born wicked
Autor: Jessica Spotswood
Übersetzer: Stefanie Lemke
Verlag: Egmont INK
Seitenzahl: 363 Seiten
ISBN-13: 978-3863960247



   Kommentare:

  1. Hört sich echt gut an. Wandert bald auf die Wunschliste :)

    Wir haben seit kurzem auch einen Blog und freuen uns über neue Leser & Kommentare....

    Du bist herzlich eingeladen ins Buchlabyrinth, schau doch mal vorbei:

    http://buchlabyrinth.blogspot.de/

    Liebe Grüße ;)

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  2. Danke für diese tolle Rezi, das Buch hört sich wirklich gut an. Aber ich werde wohl lieber warten bis alle Bände erschienen sind, kann dieses Warten nämlich auch immer nur sehr schwer aushalten ;-)

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  3. Was für eine tolle Rezension! Jetzt habe ich riesige Lust auf das Buch!
    Nur, wo krieg ich's her?
    Ich hab letzten Monat so viele gekauft - da lass ich das wohl diesen Monat mal :x
    Ach manno :( Zwickmühle! Aber irgendwann ist es meins! Vielleicht, wenn alle Teile draußen sind wegen dem Cliffhanger - hasse ich auch.

    Liebe Grüße
    Lisa

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  4. Ich kann dir Cabin in the woods nur empfehlen. Habe ihn schon gesehen und war begeistert.
    nimmt sich selbst nicht ernst und so schön oldschool^^

    ich wünsche viel spaß beim gucken^^

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  5. @Buchlabyrinth:
    Viel Spaß beim Lesen!

    @KreaMa:
    Also der Cliffhanger am Ende ist so mies, dass ich einen halben Punkt abgezogen habe. Dennoch, der 2. Roman erscheint im Original erst 2013, also ist es noch eine ganze Weile bis zur Vervollständigung der Reihe - willst du wirklich so lange warten? :D Denn lesenswert ist es allemal!

    @Lisa:
    Ich schreibe dir mal eine Nachricht...vielleicht willst du mein Angebot ja annehmen :D Und der Cliffhanger ist wirklich wirklich fies, aber das Buch ist ansonsten echt toll - und bis zum Erscheinen von Band 2 & 3 dauert es noch ewig. Dafür ist das Werk eigentlich zu gut ;)

    @Cupcatz:
    Danke dir für den Tipp! Ich werde mich zwar sehr gruseln, das weiß ich jetzt schon, aber ich freue mich wahnsinnig und bin total gespannt, jetzt sogar noch mehr ;)

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  6. Hallo Sonne.
    Sollte man/frau schon von einer "Unsitte" der Cliffhanger in Romanreihen reden?
    Jede der alten "Flash Gordon"-Episoden endet nach exakt 15 Minuten mit einem Cliffhanger. Was auch geschehen war - Flash (bzw. einer seiner Kumpels)ist in Lebensgefahr.
    Ein wenig berechnend wirkt mir das ungewisse Ende bei Buchreihen dann doch. Als wenn Verantwortliche kein Vertrauen in den Roman "pur" hätten.

    Nun, Du hattest Deinen Spaß dennoch.

    Hmm...erinnert die Bühne des Geschehens wie ihre Figuren vielleicht an Jane Austen?

    "Die Göttin der Fruchtbarkeit" war mein erster Quergedanke beim Anblick des Covers. :-)

    bonté

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  7. Ich habe schon soviele gute Meinungen über dieses Buch gehört und das reinlesen hat mir auch schon unglaublich viel Spass gemacht, dieses Buch wird so bald wie möglich in meinen Besitz wandern.
    Lg Bea

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  8. @RoM:
    Eine Unsitte ist es ganz bestimmt! Ich bin da völlig deiner Meinung - es wirkt in der Tat, als hätten die Autoren Angst, man wäre ohne Cliffhanger nicht interessiert genug an der Fortsetzung. Dabei gefallen mir persönlich grade eher abgeschlossenere Enden besser.
    Und ja, insbesondere die Ausweglosigkeit der Liebes-Situation ist schon ein wenig Jane Austen-mäßig - aber grade das ist ja manchmal auch ganz schön ;)

    @Bea:
    Dann wünsche ich dir jetzt schon einmal viel Spaß beim Lesen - das Werk ist zwar nicht ohne Fehler, den Kauf aber eindeutig wert :)

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