Back Down to Earth

[Buchrezension] Die 5 Leben der Daisy West - Cat Patrick

Matt lacht sein umwerfendes Lachen und in diesem Moment bin ich trotz allem froh, dass ich ihn eingeweiht habe. Ich fühle mich ihm näher denn je.
Als er sich vorbeugt und mich küsst, spüre ich zwischen uns etwas Neues. Statt des Schwindels des ersten Kusses von jemandem, in den man total verknallt ist, fühle ich jetzt etwas Tieferes. Ich fühle es bis in die Zehenspitzen und bis in den Bauchnabel.
Und in meinem Herzen.

INHALT
Daisy ist fünfzehn - und schon mehr als ein Mal gestorben. Sie lebt waghalsig, denn sie weiß, dass es Revive gibt, ein Medikament, das ins Leben zurückhilft, wenn alle anderen Mittel versagen. Da diese Medizin strenggeheim ist, muss Daisy nach jedem Tod eine neue Identität annehmen und an einen neuen Ort ziehen. Bisher hat sie daher meist isoliert und ohne enge Freunde gelebt. Aber dann findet sie an ihrer neuen Schule nicht nur völlig unverhofft eine beste Freundin, sondern verliebt sich auch noch Hals über Kopf. Zum ersten Mal lässt Daisy sich wirklich auf das Leben ein. Doch da entdeckt sie, dass sie Teil eines großen Experiments ist. Gott, der zwielichtige Leiter des Revive-Programms, hat viele Menschen auf skrupellose Weise rekrutiert und behandelt sie wie Versuchskaninchen. Daisy begehrt auf. Und setzt damit ernsthaft und unwiederbringlich ihr Leben aufs Spiel...

BUCHAUFMACHUNG
Die Farbgebung des Covers ist wunderschön und mit den ineinander übergehenden Grün- Und Blautönen und den Lichtstrahlen ein echter Hingucker. Das Mädchen symbolisiert Daisys Ausgelassenheit recht gut, besitzt allerdings einen äußerst seltsamen Gesichtsausdruck. Auf dem deutschen Cover befinden sich über dem Titel 4 Klebezettel, auf denen der jeweilige Tod mit der Ursache angegeben ist - der wirkliche Sinn dahinter erschließt sich allerdings nicht.

MEINE MEINUNG
Von "Die 5 Leben der Daisy West", dem 2. Roman der Autorin Cat Patrick, hört man in letzter Zeit sehr viel. Die einen lieben das Buch, die anderen verabscheuen es. Aufgrund des interessanten Themas wollte ich mir selbst eine Meinung bilden - und gehörte schon nach kurzer Zeit der 2. Gruppe an...

Erzählt wird die Geschichte im Präteritum aus der Ich-Perspektive von Daisy. Da diese recht ichbezogen ist, sind viele Eindrücke nur einseitig, weswegen man einige Handlungen nicht nachvollziehen kann. Der Schreibstil ist flüssig, aber unausgereift, was allerdings auch an der Übersetzung liegen kann - Sätze verlieren manchmal mittendrin ihren Sinn oder Antworten passen in Dialogen nicht zu den gestellten Fragen. Darüber kann man aber hinwegsehen. Viel mehr störte mich die Art der Autorin, zu beschreiben: In langen Absätzen und langatmiger Form gibt es das ein oder andere mal etwas über die Einrichtung von Räumen und Häusern zu lesen, weshalb man sich zwischenzeitlich fragt, ob man da nicht doch in einem Quelle-Katalog stöbert.

Daisy ist eine dieser typischen naiv-dummen Protagonistinnen: Unfähig, allein etwas hinzubekommen, erschreckend nervig und unfassbar leichtgläubig. Davon abgesehen ist sie aber so hübsch, dass der schönste Junge der Klasse seine Augen nicht mehr von ihr lassen kann, und so austauschbar, dass sie ganz schnell vergessen wird. Ihre ach so große Liebe Matt sieht selbstverständlich umwerfend aus [besser als Jake Gyllenhaal, wie dem Leser sicherlich um die 1000 Mal breit und lang erläutert wird] und dann ist er ja auch noch allgemein so toll. Dass er außer ein bisschen Nettigkeit und ziemlicher Ignoranz ab Mitte des Buches keinerlei Eigenschaften besitzt, interessiert hier nicht: Er ist halt einfach schön!

Auch ansonsten überzeugen die Figuren nicht. Daisys beste Freundin Audrey ist zwar recht sympathisch mit ihrer fröhlichen Art, verkörpert allerdings wieder einmal das Mädchen, dass sofort auf die Neue zukommt und alles für sie stehen und liegen lässt. Ganz ehrlich: Wer erlebt denn so etwas? Dass sie eine Krankheit hat, macht das nur wenig besser, denn auch trotz der Traurigkeit dieses Aspekts, wird die Sache viel zu oberflächlich angerissen und ist im Grunde auch unnötig. Einzig und allein Megan, die transsexuelle Blogger-Freundin konnte mir in ihrer schrillen und hilfsbereiten Art einigermaßen zusagen, genauso wie die roboterhafte Agenten-Mutter Cassie, von der man allerdings schon sehr schnell weiß, was ihre Rolle in dem Ganzen ist.

Die Story selbst ist unfassbar schlecht ausgearbeitet. Über Daisys früheren Tode erfährt man zwar etwas, aber nur wenig, und was es genau mit dem Mittel auf sich hat, geht völlig unter. Die einzige Information, die der Leser bekommt, ist die, dass Revive wie ein Stromstoß wirkt, nur verstärkt. Darunter kann man sich allerdings leider nichts vorstellen. Was sind die Bestandteile? Wie wird es hergestellt? Wie wurde die Formel entdeckt? All das lässt Cat Patrick völlig außer Acht, genauso wie viele Fäden der Handlung: Weshalb zeigt Gott ein solches Interesse an Daisy? Wie konnte er seine zwei besonderen Machenschaften so genau planen [ohne zu wissen, wann genau Auto und Bus wo sein würden]? Es bleiben so viele Fragen offen, dass einem am Ende der Kopf schwirrt und man sich unwillkürlich fragen muss, warum man denn nun nicht schlauer ist als vorher.

Die Liebesgeschichte zwischen Daisy und Matt ist in keinster Weise romantisch oder gar kribbelnd. Chemie zwischen ihnen ist nicht vorhanden, stattdessen werden kitschige Floskeln ausgetauscht und nach 100 kurzen Seiten und ungefähr 3 Wochen auch schon wenig erfreuliche Küsse. Dazu kommt noch die Vorhersehbarkeit der Geschichte: Ich wusste zu jedem Zeitpunkt, was als Nächstes geschehen würde, weshalb ich permanent gelangweilt und genervt war.  Der Schluss ist so banal wie erwartet, aber wenigstens ansatzweise spannend - jedenfalls so lange, bis man erkennt, dass es keine Antworten gibt. Und so reißt auch dieser wenig überraschende Showdown kaum mehr etwas raus. Enttäuschend!

FAZIT
Wer ordentlich seine Augen trainieren möchte, darf sich "Die 5 Leben der Daisy West" nicht entgehen lassen - hier kann nämlich damit gerollt werden, bis der Arzt kommt! Das Buch war mit den flachen Charakteren, der unausgereiften Geschichte und der schlechten Liebesgeschichte eine einzige Pleite für mich, sodass ich mir auch einigen beißenden Sarkasmus einfach nicht verkneifen konnte. Das war nichts! 1,5 Punkte.

Originaltitel: Revived
Reihe: Nein
Autor: Cat Patrick
Übersetzer: Anja Malich
Verlag: Bastei Lübbe
Seitenzahl: 308 Seiten
ISBN-13: 978-3414820617


   Kommentare:

  1. Oh Mann, da machst du mir ja nicht gerade Lust auf das Buch :D
    Ob ich dir zustimme, kann ich erst schreiben, wenn ich es auch gelesen habe, aber diesne Satz aus deinem Fazit finde ich schon mal klasse: "Wer ordentlich seine Augen trainieren möchte, darf sich "Die 5 Leben der Daisy West" nicht entgehen lassen - hier kann nämlich damit gerollt werden, bis der Arzt kommt!"

    LG =)
    Charlie

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  2. Hihi, gerade hab ich deine Rezi schon bei Amazon gesehen und musste lachen. Ich hab sie nämlich eben auch geschreiben (kommt aber erst nächste Woche im Blog) und sehe das gleich/ähnlich wie du. Erst dachte ich sogar, das Buch ist für mich Mittelmaß, es werden bei Amazon aber nur 2S werden. Im Blog gibt es eine Review, ich konnte da nicht so objektiv bleiben und war teils etwas sarkastisch *räusper*. Muss man nicht lesen!! Das Buch ist mir komplett egal.
    LG,
    Damaris

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  3. Mh, deine Kritikpunkte sind genau das, was mich oft an Büchern nervt, v.a. so unglaublich naive Charaktere. Nachdem das Buch bei BdB so begehrt war, hatte ich es mal ins Auge gefasst, aber ich glaube, die Lesezeit kann ich gut mit einem anderen Buch verbringen... ;)

    LG Nabura

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  4. Echt tolle Rezension! Ich liebe deinen Sarkasmus! Gut, dass mich das Buch nicht wirklich interessiert ;)
    Naive Charaktere - könnte ich rein schlagen in sowas. Das, was du beschrieben hast, hätte mich ebenso angenervt.

    Ich lese gern wieder so eine sarkasmusreiche Rezension :)

    Liebe Grüße
    Lisa

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  5. tolle rezi :D

    kann grad dieses Buch aus meiner WL rausnehmen. Hab sowieso schon so schlechte Meinungen darüber gehört.... sicher war ich mir auch nicht so ob ich es überhaupt kaufen wollte oder nicht... (kann sein, dass es nicht so verständlich klingt da drei Personen hier auf mich einreden...)

    LG

    Alisia
    http://alisiaswonderworldofbooks.blogspot.com/

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  6. Hallo Sonne.
    Du erinnerst Dich noch an den SF-Roman von Tanith Lee, den ich während meines Urlaubs las!? Ähnliches Thema, nur besser geschrieben.
    Die Thematik der absoluten Unsterblichkeit hat einiges an Dimension - leider scheint es Miss Patrick nicht über das Niveau von Instant-Literatur hinaus bearbeiten zu können.

    Aus Jux & Dollerei in den (weil ohne Risiko)sicheren Tod zu gehen konnte ich bereits in der Figur der "Heroes"-Cheerleaderin nicht nachvollziehen.

    Hübsch eingeflochtene Ironie-Gaben Deinerseits. Du verstehst mit dem Florette umzugehen.

    bonté

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  7. @Charlie:
    Ja, also ich gebe zu, ich hätte nicht vermutet, dass ich dieses Buch SO unfassbar schlecht finde :D Ich hoffe natürlich sehr, dass es dir da besser ergeht! Von daher viel Spaß beim Lesen und ich bin sehr gespannt auf deine Meinung ;)

    @Damaris:
    Ich hab mir schon gedacht, dass dich das Buch auch nicht überzeugt haben kann - wir haben ja bei vielen Büchern ziemlich gleiche Ansichten. Ich bin mal sehr gespannt auf deine Rezension, vielleicht stöbere ich vorher schon mal bei Amazon herum [wenn sie da schon drin ist]. Und ich mag es sehr, wenn du sarkastisch wirst - und wie du sehen kannst, konnte ich mir ja ebenfalls einiges an Ironie nicht verkneifen. das geht bei diesem Buch wohl einfach nicht...

    @Nabura:
    Ja, man könnte sagen, das Werk hat beinahe einen kleinen Hype ausgelöst. Überall Lobeshymnen - und ich kann es partout nicht verstehen! Wer sich mit einer so naiven & dummen Prota identifizieren kann, hat noch nicht viel gelesen...Ich würde dir da auch eher zu einem anderen Kauf raten, irgendetwas...Schönem ;)

    @Lisa:
    Danke für die Komplimente :D Und ja, es ist in der Tat gut, dass dich das Buch gar nicht erst interessiert - sonst wäre das nur eine Enttäuschung für dich gewesen. Die Charaktere sind so flach und eindimensional, du hättest dich pausenlos aufgeregt, genau wie ich :D

    @Alisia:
    Danke dir! Ich will dir natürlich nichts einreden hier - ich persönlich fand das Buch aber einfach so schlecht, dass ich es nicht empfehlen kann. Von daher würde ich dir raten, das Geld für etwas Besseres zu sparen :D Und deine Sätze sind nicht unverständlich - wie kommst du drauf? ;)

    @RoM:
    Ah, das ist interessant, dass beide Romane ein etwas ähnliches Thema behandeln - wo "Daisy West" doch immer mit dem unfassbar originellen Konzept beworben wird...Aber nein, Patrick hat hier nichts Gutes geschaffen. Und auch ihr Debüt soll aaarg Mainstream sein.
    "Heroes" selbst kenne ich nicht, dazu kann ich also nichts sagen - aber danke für das Kompliment zur Ironie! Ich gestehe, ich konnte es hier einfach nicht unterlassen, es war zu verlockend :D

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  8. Ach du meine Güte :D

    Das war bisher die schlechteste Rezi zu dem Buch und die anderen waren auch nicht unbedingt besser. Das Buch ist zwar auf meiner Wunschliste, aber ja ... ob es gekauft wird, wird immer fraglicher :D

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  9. Wunderbare Rezension. Ich wurde super gut unterhalten :-D Ich mag vor allem die Ironie in deiner Rezi!

    Auch wenn ich jetzt nicht mehr wahnsinnig Lust auf das Buch habe, bin ich gespannt, ob es mir ähnlich "gefallen" wird. Hoffen tue ich das aber auf keinen Fall! :-D

    Liebe Grüße, Diti

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  10. @Sandrina:
    Ja, ich gebe zu, meine Rezension ist eine von ganz wenigen, die nur 1 Punkt vergeben hat. Aber es hat mich SO aufgeregt :D Wenn du mit alldem auch nichts anfangen kannst, würde ich dir eher davon abraten...

    @Diti:
    Es freut mich, dass ich dich mit der Rezension unterhalten konnte, auch wenn das Buch selbst eher weniger amüsant war :D
    Ich hoffe natürlich auch, dass dir das Buch besser gefällt als mir - da du deine Erwartungen jetzt aber ja schon offensichtlich etwas runtergeschraubt hast, ist das ja vielleicht der Fall ;) Viel Spaß!

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