Back Down to Earth

[Buchrezension] Der Feuerstein - Rae Carson

Tränen rinnen mir aus den Augenwinkeln und der Drang, Luft zu holen, macht mich ganz benommen. Schließlich atme ich durch den Lappen, trotz der Hand, die ihn festhält. Zunächst überwältigt mich ein Gefühl des Sieges, denn zumindest wird es so nicht gelingen, mich zu ersticken. Wenn ich vielleicht gegen die Bettpfosten treten oder mich herumwälzen könnte...aber der Zimtgeruch verwandelt sich in ein Prickeln in meinem Hals, in meiner Brust. Um mich herum dreht sich alles und ich sinke tiefer und tiefer in die Matratze. Dann schließt mich etwas ein, etwas Dunkleres als reine Finsternis, heißer als der Wüstensommer. Das kupferne Schimmern vom Balkon erlischt.

Bildergebnis für der feuersteinINHALT
Elisa ist die Trägerin des Feuersteines und damit gleichzeitig die Auserwählte. In ihrer Welt gilt sie damit als ehrenwert und ist geradezu berühmt. Allerdings gibt sie so gar nicht das Bild einer großen Heldin mit einer wichtigen Aufgabe ab: Sie ist nicht nur ziemlich dick, ihr fehlt es auch arg an Selbstbewusstsein. Als sie auch noch mit dem schönen Alejandro verheiratet wird und Königin eines riesigen Reiches sein soll, findet sie sich gar nicht mehr zurecht. Dann jedoch wird sie Opfer einer Entführung - und sie lernt endlich, was in ihrr steckt...

BUCHAUFMACHUNG
Das Cover ist schon aus dem Grund ein einziger Eyecatcher, weil es sich ohne ein obligatorisches Mächengesicht sehr abhebt. Stattdessen ist der Feuerstein in seiner hellblauen Farbe zu sehen, der sich vom Rest des Umschlages ein wenig abhebt. Die Farbe des Hintergrundes und die Silhouetten am unteren Rand sind ebenso klasse anzusehen - wundeschön!

MEINE MEINUNG
"Der Feuerstein" ist ein Buch, das die Leserschaft spaltet. Die einen lieben, die anderen hassen es. Voller Vorfreue darauf, mir meine eigene Meinung bilden zu können, begann ich zu lesen - und wurde zum Glück nicht enttäuscht. Nicht vollständig überzeugt, aber auf jeden Fall angetan zähle ich mich wohl eher zu ersterer Gruppe.

Rae Carson erzählt ihre Geschichte mit jugendlichem Schwung, aber auch einem angenehmen, leichten High-Fantasy-Flair. Es ist eine uns unbekannte Welt, in der das Buch spielt, besonders viele phantastische Elemente gibt es allerdings nicht zu entdecken. Die Menschen fahren noch mit Kutschen, tätigen ihre Einkäufe auf dem Markt und sprechen eher altmodisch, wobei es allerdings nie altbacken wirkt. Geschrieben ist das Ganze im Präsens in der Ich-Perspektive der Protagonistin Elisa, deren Gedanken, Emotionen und Taten man so perfekt nachvollziehen kann. Obwohl die Sichtweise sich nicht ändert, hat man nie das Gefühl, nur einseitig von Personen und Erlebnissen zu erfahren.

Elisa ist sehr unsicher aufgrund ihrer Körperfülle und ihrer vermeintlichen Talentlosigkeit. Kraft findet sie hauptsächlich in ihren Gebeten zu Gott und bei ihrer Kinderfrau. Im Laufe der Handlung macht sie jedoch durch die Entführung und allerlei Gefahren, denen sie sich stellen muss, eine glaubwürdige wie gut durchdachte Entwicklung durch, sodass sie bald durch Stärke und Entschlossenheit überzeugen kann. Ihr Ehemann Alejandro ist da das genaue Gegenteil: Gutaussehend und charmant, allerdings  auch sehr unentschlossen. Zwar begegnet er seiner Frau mit Freundlichkeit, kann sich aber nicht dazu durchringen, das Verhältniss öffentlich zu machen oder sie gar wie die Königin zu behandeln. Ehe vernachlässigt er seinen Sohn und versteckt sich in Ausflüchten, was ihn jedoch zu einem Menschen mit guten und schlechten Seiten macht.

Besonders die Kinderfrau Ximena kann die Sympathien des Lesers einfangen. Mit ihrer hilfsbereiten, gutmütigen Art und ihrem vollkommenen Einsatz für ihren Schützling wünscht man sich glatt, ebenso eine Frau in seinem Leben zu haben. Humberto, den Elisa in der Wüste kennenlernt und der ihr von Anfang mit Respekt begegnet, schließt man ebenso schnell ins Herz. Er sieht gut aus, ist ein perfekter Beschützer und mutig, hat aber durchaus auch seine Macken. Einzig über die Feinde, die den Krieg beginnen, erfährt man zu wenig. Sie erscheinen sehr böse und handeln ihrer Meinung nach nach Gottes Wille. Dies ist aber schon alles, was etwas mager wirkt.

Wer dieses Buch lesen möchte, sollte sich vorher über eines im Klaren sein: Hier wird gebetet. Und zwar viel. Die Feuersteine werden einmal im Jahrhundert von Gott an einen neuen Träger vergeben und üben ihre Macht hauptsächlich doch Lobpreisungen und Anrufungen aus. Mich persönlich störte es nicht allzu sehr, da es gut eingeflochten wird, besonders Ungläubige könnten hier aber ihre Probleme haben. Die Geschichte selbst besteht aus 3 Teilen, bei denen der Erste hauptsächlich aus den Selbstzweifeln von Elisa besteht. Zwischenzeitlich ist ihr immer währender Drang zum Essen ein wenig befremdlich, dennoch kann man immer mit ihr mitfühlen. Natürlich folgt bei der Reise durch die  Wüste dann das Abmagern der dicken Protagonistin, sodass diese zum Ende hin zum schönen Schwan werden kann. Dies ist insofern schade, da wieder einmal gezeigt wird, dass es eben keine hässlichen Hauptfiguren gibt.

Spannend verbindet die Autorin Zwischenmenschliches mit Abenteuern, die Elisa auf ihrem Weg erlebt. Einige Gefahren stellen sich in ihren Weg, deren Ausgang nicht immer vorhersehbar ist. Auch mit den Figuren wird nicht zimperlich umgegangen - Rae Carson lässt so einige davon sterben, was die Geschichte sehr glaubwürdig macht, allerdings für den Leser auch sehr traurig ist. Die Liebesgeschichte spielt eher eine untergeordnete Rolle und ist nicht sonderlich kribbelnd, dies stört aber aufgrund der spannenden Storyline nicht. Zwar lassen die phantastischen Elemente etwas zu wünschen übrig, da könnte ich mir für Band 2 aber noch einiges mehr vorstellen. Nach dem spannenden Showdown und dem in sich abgeschlossenen, aber Lust auf mehr machenden, Ende, freue ich mich auf diesen schon sehr. Mehr davon!

FAZIT
"Der Feuerstein" hat eine wunderbare Protagonistin, eine schöne Storyline und genug Abenteuer, um es nie langweilig werden zu lassen. Allerdings wird nicht wenig gebetet und die Bösewichte sind ein wenig stereotyp geraten. Mit dem sehr zufrieden stellenden Ende aber ein wirklich empfehlenswerter Jugend-Fantasy-Roman. 4 gute Punkte!


Titel: Der Feuerstein
Originaltitel: The Girl of Fire and Thorns
Reihe: Fire and Thorns
Autor: Rae Carson
Übersetzer: Kirsten Borchardt
Verlag: Heyne fliegt
Seitenzahl: 528 Seiten
ISBN-13: 978-3453267183

   Kommentare:

  1. Schön, dass dir das Buch gefallen hat! Und schöne Rezi ;) Ich will es mir "Der Feuerstein" auch unebdingt noch kaufen :)
    Liebe Grüße,
    Mara

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  2. Hallo Sonne.
    Ein klein wenig durchschmunzelte es mich dann doch - ein Fantasy-Roman für die Fitness-Message.

    Ich liebe ja die Adepten der körperlichen Ertüchtigung, wenn sie den Lebenssinn in "idealen Werten" propagieren. Besagter Gestus wird nur noch von der Lächerlichkeit übertroffen, mit der befremdliche neue Trainingskombinatinationen durchs Dorf gejagt werden.
    "Auf Schulterblätter robben, während zwei Weißbrote gestemmt werden."

    Ein klein wenig abseits des Romans, aber es lag mir keck auf der Zunge. Sorry :-)

    bonté

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  3. @Mara:
    Ich bin auch sehr froh darüber, dass mir das Buch so zusagen konnte ;) Also wenn du etwas Originelles mit einer starken Heldin suchst, dürfte "Der Feuerstein" etwas für dich sein. Ich wünsche dir schon einmal viel Spaß beim Lesen!

    @RoM:
    Ich werde nie verstehen, warum eben diese Werte - am liebsten ja noch 90-60-90 - so wichtig sind, sogar in Büchern mittlerweile. Ich besitze wahrscheinlich genau ein Buch, in dem die Protagonistin zu Anfang dick ist und am Ende auch noch.
    Aber in Zeiten, wo es Reality-Shows wie "The biggest Loser" gibt, in denen die Menschen malträtiert werden, wird sich das wohl nicht ändern...Wobei ich das auf den Schulterblättern robben noch nirgendwo sehen durfte :D

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  4. Da bin ich heute erst wieder dran vorbeigegangen. ^^ Ich glaube das nächste Mal, wenn ich wieder in der Mayerschen bin, werde ich mal in das Buch reinlesen. :)

    Und ich habe die eben getaggt und würde mich freuen, wenn du mitmachst ;)
    http://luna-empfiehlt.blogspot.de/2012/09/tag-ein-buch-das.html

    Liebe Grüße
    Luna :)

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  5. @Luna:
    Ein Reinlesen ist sicherlich eine gute Wahl - das Beten und das anfängliche Gejammere der Prota können schon etwas befremdlich sein. Solltest du es dir zulegen: Viel Spaß!
    Und bei dem Tag gucke ich mal, wann ich Zeit habe dafür ;)

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