Back Down to Earth

[Buchrezension] Gegen einsam - Daniela Meisel

Ich ziehe den Kopf eines Streichholzes über die Reibefläche an der Schachtelseite. Er flammt auf. Ich stecke das Hölzchen unter das zerknüllte Zeitungspapier. Rauch steigt auf. Verbreitet sich im Raum. Das Blut pulsiert in meinen Schläfen. Ich bin müde. Mein Kopf schwer. Ich lege mich flach auf den Parkettboden. Meine Umgebung zieht sich zusammen. Die Gegenstände schrumpfen. Erleichtert schließe ich die Augen.

INHALT
Manuel ist so durchschnittlich wie es nur irgend geht und wird grundsätzlich von anderen Menschen übersehen. Seine Einsamkeit bringt ihn dazu, sich eine Sammlung von 34.000 Gegenständen anschaffen zu wollen, um die Leere irgendwie zu füllen. Maja dagegen ist nicht durchschnittlich, aber dennoch einsam. Das versucht sie zu verhindern, indem sie sich auf Wohnungsannoncen meldet, um mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Eines Tages kreuzen sich die Wege der beiden - und sie können so gar nichts miteinander anfangen. Aber eine Sache verbindet sie eben letztendlich doch...

BUCHAUFMACHUNG
Als besonders schön oder gar Aufmerksamkeit erregend kann man das blaue Cover des Buches mit der gelben Schrift und dem grünen Fisch sicherlich nicht bezeichnen. Bis kurz vor Schluss will sich letzterer auch nicht erklären - dann allerdings ergibt die Abbildung dessen sogar einen gewissen Sinn. Ich bin aber dennoch der Meinung, dass man den Inhalt des Buches in der Gestaltung viel besser hätte einfangen können.

MEINE MEINUNG
Romane einer solchen Art lese ich ab und zu, wenn es mich überkommt, ganz gerne. Insbesondere dann, wenn sie nach einer originellen, berührenden Geschichte klingen. "Gegen einsam" ist genau so ein Buch und ich freute mich sehr auf das Lesen. Letztendlich muss ich aber sagen, dass mir die Kernaussage leider nie so ganz klar wurde.

Daniela Meisel schreibt ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive sowohl von Maja als auch von Manuel. Das Buch ist in 3 Teile gegliedert, wobei die Protagonisten bis auf den letzten immer abwechselnd im Präsens erzählen. Dabei werden die meiste Zeit über sehr kurze, prägnante und ein wenig abgehackt wirkende Sätze verwendet, die aber so in Erinnerung bleiben. Dennoch sind die Beschreibungen der Umgebung immer ein wenig metaphorisch und sehr schön zu lesen, besonders, da die Autorin es versteht, dabei immer wieder Fakten einzubauen, die die Figuren irgendwann einmal irgendwo mitbekommen haben.

Beide Hauptpersonen sind sehr schräg und ganz sicher nicht 08/15. Nach einer Kunstausstellung und dem erneuten Bewusstwerden seiner Unscheinbarkeit, beschließt Manuel, wenigstens in einem besonders zu sein: Er will die doppelte Anzahl an Gegenständen besitzen, die ein normaler Mensch sein eigen nennt. Dabei verliert er sich allerdings sehr schnell im Konsumrausch. Maja ist bodenständiger, wenn auch nicht weniger einsam. Ihre beste Freundin ist eine taubstumme ältere Dame, mit ihren Arbeitskollegen hat sie eher weniger Kontakt, genau wie mir ihrer Familie, und Männer gab es schon lange keine mehr. Im Laufe der Handlung macht sie eine dezente, aber wahrnehmbare Wandlung durch, die toll mit anzusehen ist. Nebenfiguren werden eher sporadisch eingeführt, bleiben nicht direkt blass, üben aber auch keinen Reiz aus. Bis auf Maria, die immer einen guten Rat zu haben scheint.

Bis Maja und Manuel sich das erste Mal begegnen, ist schon beinahe die Hälfte des Romans um. Solange konnte man beide Personen und ihre unterschiedlichen Arten der Einsamkeit kennenlernen.   Mit beiden bin ich allerdings nicht richtig warm geworden. Das mag hauptsächlich daran liegen, dass sie mir durch Handlungen und Gedanken fremd erschienen, weil sie sich so sehr abheben. Manuel wollte ich eher das ein oder andere Mal kräftig durchschütteln, damit er wieder zur Vernunft kommt. Dennoch schafft Daniela Meisel es, dass man zumindest die Gründe der beiden Figuren für ihre Abnabelung und seltsamen Hobbys halbwegs versteht.

Was mich störte, war die große Verstrickung in Alltagsdinge und die damit manchmal aufkommende gähnende Langeweile. Auf 215 Seiten können keine wahnsinnigen Entwicklungen durchgemacht werden, dennoch hätten hier auch einige eher unwichtigere Szenen gestrichen werden können. Außerdem ließ sich für mich kein richtiger roter Faden erkennen - beide wollen aus ihrer Einsamkeit heraus und das auf verschiedenen Wegen, doch im Buch wird kaum ein wirklicher Schritt in die richtige Richtung getan, sodass man letztendlich nicht das Gefühl hat, dass die beiden nun auch nur ansatzweise ein besseres Leben führen. Was soll einem das also sagen? So hinterließ das Werk bei mir ein Gefühl, als wäre ich in der Luft hängen gelassen worden - leider...

FAZIT
"Gegen einsam" fasst ein wichtiges Thema auf und besitzt Hauptcharaktere mit Wiedererkennungswert. Doch diese Aspekte gepaart mit einem schönen Schreibstil konnten nicht verhindern, dass bei mir das ein oder andere Mal Langeweile aufkam und ich den roten Faden immer wieder aus den Augen verlor. Das Ende zudem ist eher enttäuschend und unbefriedigend, sodass es nur zu mittlmäßigen 3 Punkten reicht. Schade!


 
Titel: Gegen einsam
Originaltitel: -
Autor: Daniela Meisel
Übersetzer: -
Verlag: Picus
Seitenzahl: 215 Seiten
ISBN-13: 978-3854526797




   Kommentare:

  1. Mhhhh... die Idee an sich klingt sehr außergewöhnlich und die Charaktere scheinen es auch zu sein. Schon schade, wenn es dann im Plot/der Kernaussage harpert. Da hätte man sicherlich einiges rausholen können. Ok, dann eben nicht! Am Cover wäre ich im Laden jetzt ehrlich gesagt auch dran vorbeigegangen, in diesem Fall für mich dann evtl. von Vorteil. Auch wenn es jetzt kein schlechtes Buch zu sein scheint. Schöne, nachvollziehbare Rezi!

    Liebe Grüße
    Reni

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  2. @Reni:
    Genau, die Idee des Romans fand ich nämlich auch klasse, mal etwas anderes einfach. Dass sich der rote Faden dann nicht immer finden ließ und das Ende so unbefriedigend war, hat mich dann etwas frustriert. Da erging es aber nicht allen wie mir - viele fanden wohl anscheinend gerade das gut :D
    Ich würde schätzen, für dich wäre es eher nichts...so wie es auch für mich nicht komplett etwas war. Aber ich könnte mich auch irren ;)

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  3. Schön, eine ganz andere Meinung über das Buch zu lesen. Habe deinen Blog über BloggdeinBuch gefunden, und selber gerade über Gegen einsam gebloggt - ich finde zwar, dass gerade die Tatsache das die Botschaft / Kernaussage des Buches nicht so eindeutig ist, ihm wieder Ausdruck verleiht, aber Geschmäcker sind ja verschieden (:

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  4. @Sailor Strawberry:
    Es freut mich, dass du den Weg zu mir gefunden hast ;) Und ja, ich denke auch, dass sich an diesem Buch die Geister scheiden werden. Mir sagt es einfach nicht besonders zu, wenn ich am Ende nicht wirklich schlauer bin als vorher - aber es freut mich sehr, wenn du das anders auffasst und dir das Buch daher gefällt ;)

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  5. Grüß Dich.
    Spontanität in Erwägung ziehend, erinnern mich Handlung wie Protagonisten an Hal Hartley- bzw nicht wenige Eric Rohmer-Filme.

    bonté

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