Back Down to Earth

[Buchrezension] Das Haus der verlorenen Düfte - Melisse J. Rose

Jac griff nach ihrer Tasche. Wenn Robbie etwas zugestoßen war, musste sie sofort heimfahren, packen und den nächsten Flug nach Paris nehmen.
"Was ist passiert, Inspektor?"
"Wir haben Grund zu der Annahme, dass ihr Bruder verschwunden ist, Mademoiselle."

INHALT
1799. Giles L'Étoile entdeckt in einer Grabkammer in Ägypten zwei Tontiegel mit einem unglaublich berauschenden Duft. Diese stammen aus Kleopatras Hause und sollen dafür sorgen, dass sich die Menschen an ihr früheres Leben erinnern können. Gleichzeitig sorgen sie für sehr viel Leid und Tod.
Mehr als 200 Jahre später. Die Parfümerie L'Étoile steht vor dem Ruin und die Geschwister Jac und Robbie können sich nicht über den weiteren Verlauf einigen. Nachdem Robbie einen der alten Tiegel entdeckt und versucht hat, herauszufinden, wie man die Salbe darin herstellt, verschwindet er jedoch. Gemeinsam mit ihrem Ex-Freund Griffin begibt sich Jac auf die gefährliche Suche nach ihm, auf der ihr nicht nur ihre eigenen Gefühle in die Quere kommen, sondern auch Menschen, die ebenfalls hinter dem Inhalt der Töpfe her sind...

BUCHAUFMACHUNG
Das Cover ziert - wie oft zu finden bei dieser Art von Roman - eine Treppe mit einem Haus dahinter, gehalten in schönen Sepia-Tönen. Trotz der nicht besonders großen Originalität gefällt mir die Gestaltung in Verbindung mit dem glatten Umschlag jedoch sehr gut. Einziges Manko: Der deutsche Titel, der im Gegensatz zum Original von einem Haus und nicht von einem Buch spricht, was nicht so recht passen will.

MEINE MEINUNG
"Das Haus der verlorenen Düfte" machte mich durch den interessanten Klappentext und das wunderschöne Cover auf sich aufmerksam und durch die Leserunde auf Lovelybooks durfte ich das Buch bald mein eigen nennen. Aber während ich anfangs noch sehr interessiert war und den Verlauf durchaus spannend fand, wird es zum Ende hin immer hektischer und unüberlegter, sodass ich letztendlich ein wenig enttäuscht bin.

Melissa J. Rose besitzt einen ansprechenden Stil, der vor wunderschönen Formulierungen nur so strotzt. Sie springt dabei in beinahe jedem Kapitel von einer Person zur anderen, manchmal sogar in den Zeiten umher, was anfangs etwas verwirrend ist, aber durchaus die Spannung aufrecht erhält. Dabei passt sie sich sprachlich immer der jeweiligen Epoche an. Ihre Beschreibungen, sowohl von Umgebungen wie auch von Düften, sind sehr gut zu lesen, ausführlich, aber nicht ermüdend, da sie sehr lebendig schreibt und einem beides toll nahe bringen kann.

Ihre Charaktere vernachlässigt sie dabei allerdings arg. Protagonistin Jac kann sich nicht entscheiden, ob sie nun nett, verzweifelt und ein bisschen dickköpfig sein will oder töricht, weinerlich und nervig. Absolut offensichtliche Dinge will sie einfach nicht annehmen und übergeht diese einfach, ist schrecklich verbohrt und schafft es irgendwann nur noch, einen zur Weißglut zu treiben, nicht aber, sympathisch zu werden. Ihr Bruder ist da das genaue Gegenteil, eher ruhig und besonnen, gutmütig, aber ansonsten sehr blass. Genauso auch Griffin, der zwischenzeitlich arg kühl wirkt und dann wieder emotional, bei dem man aber nie das Gefühl hat, ihn zu kennen.

Sowieso sind die meisten der Figuren recht klischeehaft und äußerst nachlässig gezeichnet. Da ist die ehemalige Prostituierte Valentine, die bei ihrem Ziehvater lebt und mit ihm gemeinsam für die Mafia arbeitet und sich auch ganz genauso verhält. Oder Xie, ein junger Chinese, der zwar ein interessantes Geheimnis hat, außer großer Angst aber keine Charakterzüge. Oder der Polizist Marcher, der zwar viele Spuren verfolgt, aber irgendwie komplett keine Ahnung hat. Schade, keine dieser Personen ist normal, doch aus ihnen wurde leider nicht alles herausgeholt.

Im Gegensatz dazu ist die Geschichte sehr interessant und in den meisten Punkten sehr durchdacht. Man merkt, dass die Autorin gründlichst recherchiert hat und viele Kenntnisse besitzt, die sie wunderbar leicht und flüssig mit einbringt. Dass es in dem Buch viel um Reinkarnation und Buddhismus geht, kam für mich etwas unerwartet, ist aber spannend und interessant zu lesen. Allerdings werden die Kapitel oftmals abrupt und ohne einen wirklichen Abschluss beendet, um dann ein paar Seiten weiter an einer vollkommen anderen Stelle - beispielsweise an einem anderen Tag - wieder einzusteigen, was mich sehr gestört hat. Ebenso war mir vieles zu vorhersehbar: Oftmals wusste ich einiges schon zig Seiten eher, bis es auch den Personen im Buch offenbart wurde. So blieben die Überraschungen leider aus.

Zwar findet Rose am Ende zu einem guten und durchaus überlegten Abschluss, davor allerdings wirkt das Geschehen deutlich überhetzt und kaum noch geplant, eher, als wollte sie schnell fertig werden. Nachdem so lange auf das große Finale hingearbeitet wurde, geht dieses in vielleicht 15-20 Seiten über die Bühne, um dann in einen eher unspannenden, aber ein wenig kitschigen Schluss zu münden. Hier schien es, als hätte sich die Autorin für einen leichten und sehr unspektakulären Weg entschieden, der nicht zum Rest passen wollte. Schade - so wurde ich letztendlich nicht so überzeugt, wie ich mir das gewünscht hätte.

FAZIT
"Das Haus der verlorenen Düfte" besitzt eine sehr intelligente Geschichte und einen wunderschönen Schreibstil, überzeugt aber vor allem in punkto Charaktere so gut wie gar nicht - diese wirken zu blass, zu unschlüssig und zu klischeehaft. Recherchiert wurde wunderbar und die Informationen fließen ganz sanft mit ein, doch dieser positive Aspekt kann nicht über das verhältnismäßig wenig durchdachte Ende hinwegtäuschen. Hier wurde gutes Potenzial verschenkt! Knappe 3 Punkte.



Titel: Das Haus der verlorenen Düfte
Originaltitel: The Book of Lost Fragrances
Autor: Melisse J. Rose
Übersetzer: Gesine Schröder
Verlag: Rütten & Loening bei Aufbau
Seitenzahl: 512 Seiten
ISBN-13: 978-3352008405


   Kommentare:

  1. tolle rezi ^^

    aber wenn die Personen so ...hmmm... flach sind sinkt es grad wieder auf meiner WL :) Ich liebe einfach Bücher die so toll aussehen ♥

    lg

    Alisia

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  2. Das Cover - da kann ich dir nur zustimmen - hätte etwas einfallsreicher sein können, vor allem bei dem tollen Thema im Buch selbst. Auch was deine Einschätzung "flacher Charaktere" betrifft, kann ich beipflichten. Ich hätte auch etwas mehr erwartet, habe selbst aufgrund des tollen Schreibstils 4 Herzen von 5 vergeben...

    Danke für die schöne Rezension ;)
    LG
    Die Buechernische

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  3. @Alisia:
    Toll sieht das Buch aus, da hast du Recht ;) Aber die Charaktere waren leider wirklich einfach nicht mein Fall. Kann natürlich sein, dass es dir da anders ergeht!

    @Buechernische:
    Schön, dass unsere Meinungen sowohl beim Cover als auch bei den Charakteren übereinstimmen - dass diese Meinung eher negativ ausfällt ist natürlich nicht so schön. Ich bin immer eher kritisch und vergebe eher schlechte Bewertungen als gute, daher können die 3 und deine 4 Punkte schon übereinstimmen ;)

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  4. Wieder mal eine wunderschöne Rezi! Ich kannte das Buch vorher gar nicht und ich denke, mir ist dann wohl kein Must-read entgangen - gut ausgearbeitete Charaktere sind mir dann doch sehr wichtig in einer Geschichte. Obwohl andere Argumente auch wieder für das Buch sprechen. Das hast du sehr schön herausgearbeitet, wenngleich es wohl kein Buch für mich wird.

    Liebe Grüße
    Reni

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  5. @Reni:
    Eben, und weil mir ebenfalls die Charakterisierungen der Personen arg wichtig sind, konnte mir das Buch auch nicht komplett zusagen. Dafür wird einfach nicht genug Nähe aufgebaut.
    Wenn dich schon die Story nicht so interessiert, würde ich dir eher davon abraten und eher so etwas wie "Das Orchideen-Haus" empfehlen ;)

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