Back Down to Earth

[Buchrezension] Das letzte Zeichen - Gemma Malley

Evie streckte die Hand aus und wollte nach der Beere greifen, doch da schlang sich etwas um ihren Knöchel und riss sie in die Höhe. Sie baumelte in einem Netz, drei Meter über dem Boden. Raffy rannte zu ihr hin, aber auch er wurde von einem Netz hochgerissen und hing augenblicklich in dem Baum, unter dem sie eben noch gestanden hatten.

INHALT
Nach der sogenannten großen Schreckenszeit, bei der die Zivilisation durch Kriege beinahe vollständig zerstört wurde, leben die Menschen gemeinsam in einer Stadt, die von einem Anführer und dessen Vertreter, dem Bruder, geleitet wird. Eingeteilt in Ränge leben die Menschen immer in Angst vor den Bösen vor den Toren der Stadt und einer Herabstufung. Evie ist eine der Bürgerinnen, doch sie ist anders: Sie kann ihre Fragen und Gefühle nicht unterdrücken. Ihre Verlobung mit Lucas lässt sie verzweifeln, denn eigentlich liebt sie dessen Bruder Raffy. Als dieser auf die unterste Stufe, K, herabgestuft wird, was seinen Tod bedeutet, weiß sie, dass sie handeln muss. Und dabei findet sie heraus, dass nicht alles so ist, wie es jahrelang schien...

BUCHAUFMACHUNG
Der pinke Hintergrund mit den abgeschabt wirkenden silbernen Stellen hat zwar nicht eindeutig etwas mit dem Inhalt zu tun, ist aber auffällig und macht neugierig. Die Verzierungen sehen aus wie solche, die oft an Toren zu finden sind, was wiederum passt. Ebenso wie das silberne, große, erhabene K, das im Buch eine tragende Bedeutung hat. Gelungen!

MEINE MEINUNG
Von Gemma Malley hört man sehr viel, daher hatte ich an "Das letzte Zeichen", auch wegen der interessanten und originellen Story, hohe Erwartungen. Zu hohe vielleicht, die gar nicht erfüllt werden konnten - Tatsache ist aber auf jeden Fall, dass ich nun doch ein wenig enttäuscht bin...

Die Autorin besitzt einen in seiner absoluten Einfachheit zur Geschichte passenden Schreibstil. Beschreibungen fallen eher spärlich aus, was einerseits zu dieser neuen Art des Lebens dazu gehört - da auf beispielsweise Äußerlichkeiten nicht mehr geachtet wird -, andererseits für den Leser aber auch sehr unschön ist. So bleibt alles sehr vage, sehr distanziert und es ist einem nicht möglich, sich einzufühlen. Zwar gibt es direkt zu Anfang und auch immer wieder mittendrin einige Erklärungen zum neuen Leben, wirklich ausgeklügelt oder gar richtig originell wirkt dieses durch die Schlichtheit und die wenigen Details aber nicht.

Evie lebt selbst als Bürgerin in der neu erbauten Stadt und hat die Regeln und Normen vollständig verinnerlicht. In Verbindung mit ihrem trotzdem vorhandenen Wissensdurst ist dies zwar interessant, beginnt nach kurzer Zeit aber auch stark zu nerven. Immer wieder lässt sie sich unterdrücken und einreden, sie wäre böse. Im Laufe der gesamten Handlung entwickelt sie so gut wie keinen Kämpfergeist, sondern lässt sich die gesamte Zeit über jede Meinung einreden. Auch Raffy, der Junge, mit dem sie sich immer wieder heimlich trifft, konnte mich nicht mehr überzeugen - eher weniger. Durch seine launische, aufbrausende und trotzige Art wirkt er oftmals wie ein kleines Kind. Er begibt sich mit dem Mädchen laufend in Gefahr, ohne Rücksicht, ohne nachzudenken. Warum Evie ihm trotzdem blind vertraut und ihm nachläuft, konnte ich einfach nicht nachvollziehen.

Sein Bruder Lucas dagegen konnte bei mir einige Sympathiepunkte sammeln. Zuerst als gefühlskalt und Maschine dargestellt, wird bald klar, dass er nicht der ergebenste Mitarbeiter des Bruders ist, sondern dass hinter seinem gesamten Verhalten viel mehr steckt. Er ist so gut wie die einzige Figur, die Gefühl und Stärke durchblicken lässt, auch in schwierigen Momenten. Die Schwarz-Weiß-Zeichnung trifft im Gegensatz dazu besonders auf den Bösewicht zu - dieser ist nämlich gänzlich düster, grausam und versessen auf Macht, auch wenn er selbst an die Richtigkeit seiner Taten glaubt. Allerdings wirkt er trotzdem glaubwürdiger als die Protagonisten und bringt Spannung mit sich.

Diese ist ansonsten nämlich eher mäßig zu finden. Alles plätschert irgendwie so dahin: Es dauert über 100 Seiten, bis Raffy herabgestuft wird und noch weitere 50, bis das nächste Ereignis geschieht. Dazwischen ergeht sich Hauptperson Evie in endlosen Tiraden über das Gut- Und Böse-sein und kann sich partout nicht entscheiden. Auch die Gefühle werden eher spärlich beschrieben, denn weder die Beziehung zu Raffy noch die leichte Anziehung zwischen dem Mädchen und Lucas konnte mich in irgendeiner Weise berühren. Da ist kein Kribbeln, kein Hoffen - die Liebesgeschichte ist mehr eine kleine Beigabe, die in den vielen Fragen, die man sich im Laufe des Buches stellt, untergeht.

Einige davon werden mit dem Voranschreiten der Handlung geklärt, andere bleiben offen - dies ist natürlich logisch, da das Buch der 1. Teil einer Trilogie ist. Oftmals wird allerdings einfach um den heißen Brei herumgeredet, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Außerdem ist der gesamte Plot ziemlich vorhersehbar: Ich konnte grundsätzlich voraussagen, was als nächstes passieren würde, was einiges an Spannung nahm. Dafür hat sich Gemma Malley ein spannendes Finale mit ein paar kleineren Irrungen und Wirrungen erdacht, das endlich einmal richtig fesseln kann und am Schluss sogar geradezu emotional wird. Ob ich den nächsten Teil lese, ist allerdings dennoch unsicher.

FAZIT
Obwohl man so viel Gutes von den Büchern der Autorin hört, bin ich nun nach der Lektüre von "Das letzte Zeichen" doch etwas enttäuscht. Wenig Spannung, unglaubwürdige Charaktere und definitiv zu wenige Beschreibungen lassen aus der tollen Idee leider nur einen 08/15-Roman werden. Schade! 3 Punkte.



Titel: Das letzte Zeichen
Originaltitel: The Killables
Autorin: Gemmy Malley
Übersetzer: Friedrich Pflüger
Verlag: cbt
Seitenzahl: 352 Seiten 
ISBN-13: 978-3570308172



   Kommentare:

  1. Schade, dass es dir nicht gefallen hat. So langsam häufen sich die mittelmäßigen Bewertungen zu dem Buch und ich weiß gar nicht, ob ich das denn überhaupt noch lesen mag. Zumal du auch Kritikpunkte ansprichst, die man als Leser nur sehr ungern hört. Wie immer eine schöne Rezension.

    Liebe Grüße, Diti

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  2. @Diti:
    Schlecht ist das Buch nicht - nur mittelmäßig ist eben nicht überwältigend :D Das Cover trügt halt ein bisschen durch die Schönheit...Ich werde es aber definitiv noch mit einem anderen Roman von Gemma Malley versuchen - vielleicht sind ihre früheren Werke ja tatsächlich besser!

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  3. Ich werde das Buch trotzdem lesen, denn trotz der Kritikpunkte klingt es dennoch spannend - von der Idee her einfach. Und ich mag einen einfachen Schreibstil!
    Mal schauen, ob es mich begeistern kann :-)

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  4. Ohjeh, ausgerechnet Kritikpunkte, die mich absolut nerven. Ich glaube, das mit dem Buch lasse ich dann mal ;)

    Dann noch ein Danke für dein liebes Kommentar auf deinem Blog. Keine Sorge, du wirst mich hier auch nicht los :P Du musst meine Kommentare auch weiterhin ertragen ;)

    Liebe Grüße
    Lisa

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  5. Hm, das klingt ja eher mittelmäßig. Aber da mich "The Declaration" von Gemma Malley vor einem Jahr sehr begeistern konnte, werde ich auch um dieses Buch hier nicht herumkommen. Was allerdings dieses pinke Cover soll...?

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  6. Hey, ich fand "Das letzte Zeichen" sogar noch schlechter als du, für mich ist es nur 2 Sterne wert. Habe meine Rezension aber noch nicht getippt. Die Kritikpunkte sind die gleichen. Die Reihe werde ich definitiv nicht weiter verfolgen.

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