Back Down to Earth

[Buchrezension] Feuer & Glas: Der Pakt - Brigitte Riebe

Ein bellendes Lachen, das rasch wieder erstarb.
"Solange sie noch reden können, sagen sie so manches", murmelte der Admiral. "Was aber, Bellino, wenn das Wasser im Verlies steigt und die Ratten sich in Scharen zeigen? Dann werden sie alle stumm."

Inhalt:
Milla lebt mit ihrer Mutter und ihrer Tante zusammen, seit ihr Vater vor einigen Jahren verschwunden ist. Das Einzige, was er ihr hinterlassen hat, ist ein kryptischer Brief, dessen Informationen sie nicht zu entschlüsseln weiß. Doch eines Tages begegnet sie dem faszinierenden Gondoliere Luca und von da an ist nichts mehr wie es war - denn sie erfährt, dass die Zeilen ihres Vaters auf das Versteck eines schon lange gesuchten Artefaktes hindeuten. Und nur dieses kann den bevorstehenden Krieg zwischen Feuer- und Wasserleuten verhindern. Doch die Zeit rennt...

Buchaufmachung:
Das Mädchen auf dem Cover zeigt ganz eindeutig Hauptperson Milla, denn diese ist ein sogenannter "Feuerkopf" und hat rote Haare. Dass das Ganze in Venedig spielt kommt mir in der Aufmachung allerdings zu kurz, denn die Stadt macht einen großen Teil der Handlung aus. Mit diesem Element hätte viel mehr gespielt werden können, so wirkt die Gestaltung trotz der schönen gelb-beigen Farben ziemlich 08/15.

Meine Meinung:
Der 1. Band der Trilogie um Luca und Milla der deutschen Autorin Brigitte Riebe erschien mir von Anfang an innovativ und interessant, nicht zuletzt aufgrund des traumhaften Handlungsortes: Venedig im 16. Jahrhundert. Aber komplett begeistert bin ich letztendlich nicht.

Dass der Roman in einem früheren Jahrhundert spielt und daher auch in einer teilweise altmodischen Sprache verfasst ist, kann möglicherweise anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein. Durch die schönen Beschreibungen und den angenehmen Stil fällt dies aber schon bald nicht mehr auf. Viel mehr stört, dass die Geschichte so langsam an Fahrt aufnimmt und erst einmal lange Zeit nur auf der Stelle tritt. Der Leser wird in Millas Leben eingeführt und ebenso in die Umstände des nahenden Krieges, sowohl in Venedig als auch außerhalb davon. Allerdings hatte ich so das Gefühl, dass das Ganze nicht vorankommt und fühlte mich doch recht gelangweilt.

Milla ist eine einfache, meist verständliche Protagonistin, allerdings ohne dabei einen wirklichen Eindruck zu hinterlassen. Sie erscheint durch ihre Dickköpfigkeit zwischendurch ein wenig nervig, wirkt aber dann regelmäßig wie ein junges Mädchen, wenn sie zum wiederholten Mal nach einem Gespräch einfach davon läuft, weil ihr etwas nicht gefällt. Luca war mir definitiv zu blass und übte auf mich auch keinerlei Zauber aus - dafür ist er zu wenig präsent. Dazu kommt noch, dass er das Mädchen andauernd hintergeht und dieses Verhalten einzig und allein damit erklärt, dass er die Feindschaft verhindern will. Wenn denn alles so einfach wäre...

Auch ansonsten scheinen sich die Figuren seltsamerweise nie so recht entscheiden zu wollen, wie ihr Charakter nun ist. Millas Mutter ist erst streng und lässt sich durch die scheinheiligen Komplimente eines Mannes einwickeln, sodass sie nah dran ist, alles aufzugeben - bis zu einem plötzlichen Sinneswandel, mit dem totale Freundlichkeit einhergeht. Tante Ysa scheint viel zu dulden und eine wichtige Bezugsperson in Millas Leben zu sein, benimmt sich zwischenzeitlich allerdings plötzlich verstockt und übersieht die wichtigen Dinge. Und zu guter Letzt ist da Marco, der dem Mädchen die meiste Zeit hinterherläuft und partout nicht unterscheiden kann zwischen richtig und falsch...Schade, aus ihnen allen hätten richtig anständige Charaktere werden können!

Etwa ab der Hälfte kommt dann endlich einmal die Spannung ins Spiel und Milla wird langsam tiefer in die Geheimnisse und die alte Fehde der Wasser- und Feuerleute hinein gezogen. Von beiden Seiten wird sie bedrängt, die gläserne Gondel zu finden, um ganz Venedig zu retten. Dabei wurde aber mir nie ganz klar, wie genau eben jenes Artefakt dabei helfen soll, den Krieg zu verhindern. Die Beziehung zwischen den beiden jungen Leuten ist mehr oder weniger kaum vorhanden - nach dem ersten frühen Kuss passiert zwischen den beiden lange Zeit gar nichts und weder Blicke noch Berührungen lösten bei mir großes Kribbeln aus. Da fand ich sogar die andere Konstellation interessanter...

Auch große Überraschungen oder Geheimnisse gibt es kaum, da der Ablauf der spannenden Szenen meistens schon vorher klar ist. Trotzdem weiß Brigitte Riebe schon allein mit ihren wunderschönen Beschreibungen und ihrem Hintergundwissen zu fesseln, sodass ich die meiste Zeit dabei behalten wurde. "Der Pakt" ist in sich abgeschlossen und besitzt daher keinen nervenaufreibenden Cliffhanger, die nicht zu Ende geführten Stränge jedoch machen Lust darauf, weiterzulesen, um zu erfahren, wie Milla und Luca ihre Stadt retten wollen. Ich bin durchaus gewillt, der Reihe noch eine Chance zu geben, denn Potenzial ist definitiv genug vorhanden - es muss nur einfach ausgeschöpft werden.

Fazit:
Der 1. Band der "Feuer & Glas"-Trilogie ist durchaus ein netter Auftakt, der allerdings besonders zu Anfang langweilt und von den Charakteren her nicht unbedingt überzeugen kann. Der Handlungsort ist wunderbar gewählt und übt einen nicht ungewissen Zauber aus und auch die Geschichte nimmt ab etwa der Hälfte an Fahrt auf. Mal schauen, ob sich die Autorin steigern kann! 3,5 Punkte.

 

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Mein Dank für das Rezensionsexemplar!

http://heynefliegt.de

   Kommentare:

  1. Ich hatte ehrlich gesagt erwartet, dass du das Buch besser bewerten würdest...Aber 3,5 Sterne sind bei dir ja echt gut, also wird es mir bestimmt gefallen! ;D

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  2. Das Buch scheint bei Bloggern echt beliebt zu sein. Ich kann dem Buch aber nichts abgewinnen, Cover und Klappentext sprechen mich einfach nicht an und selbst die positivste Review macht mich nicht neugierig, aber was solls, so wächst der wunschzettel nicht immer :D

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  3. @ApfelSinchen:
    Ich bin echt streng mittlerweile, bei mir kommen sowohl Filme als auch Bücher selten über 4 Punkte hinaus. Daher kann man durchaus sagen: Otto-Normal-Leser werden hier weitaus weniger streng sein als ich ;) Einfach ausprobieren!

    @Sandrina:
    Hach, ja, habe ich auch schon festgestellt :D Venedig ist halt ein recht exotischer Schauplatz für einen Fantasy-Roman, vor allem, wenn dieser im 16. Jahrhundert spielt. Wenn er dich aber partout nicht interessiert, solltest du ihn dir aber auch nicht zulegen - da kommt selten etwas gutes raus...

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  4. Sehr schöne Rezension... Gerade die Schauplätze und das Hintergrundwissen fand ich auch richtig toll!
    Und deine Bewertung kann ich nachvollziehen... 5 Sterne gibt es bei uns nur, wenn wir der Meinung sind, dass das Buch wirklich gelesen werden muss, 4 Sterne sind die "normale" Empfehlung...
    Aus meiner Sicht ist deine Beurteilung also schon gut :-)

    glg

    Steffi

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  5. @his + her books [bzw. Steffi]:
    Ja, bei mir ist eine 3,5 Punkte-Bewertung wahrscheinlich wie bei anderen die 4-4,5 Punkte-Bewertung. Ich bin irgendwann einfach strenger geworden, da ich festgestellt habe, dass es mich so viel mehr freut, einem Buch eine gute Bewertung zu geben ;)
    Danke für den Kommentar!

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  6. Ach ja, irgendwie passt deine Kritik zu meinem bisherigen Eindruck von dem Buch - wieder eines das auf meinem "Ich lese später weiter"-Stapel gelandet ist. Der Prolog um Millas Vater war schon spannend, aber danach braucht man tatsächlich ein wenig einlesezeit. Die Geduld hatte ich dann erst mal nicht, weil es mir mit Milla und Lucas nämlich genauso ging wie dir. ABER, ich werde es bei Zeiten wohl wirklich weiterlesen. Immerhin war der Preis kein Schnäppchen und wenn es noch spanndend wird, dann lohnt es sich wohl. :)

    Liebe Grüße
    Reni

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  7. @Reni:
    Ja, genauso erging es mir auch - im Gegensatz zu vielen, vielen anderen Lesern. Es ist ganz interessant, aber es reißt leider einfach nicht komplett mit, trotz interessanter Thematik und einem wunderschönen Handlungsort...Hach. Mal schauen, was du davon hältst, solltest du weiterlesen ;)

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