Back Down to Earth

[Buchrezension] Weil ich euch liebte - Linwood Barclay

Das Kuvert war zugeklebt. Ich schob den Brieföffner unter die Klappe und schnitt es sauber auf. Dann ging ich zum Schreibtisch zurück und leerte es aus.
Geld. Unmengen davon.
Tausende Dollar Bargeld.
"Heilige Maria Muttergottes", sagte ich laut.
Dann hörte ich den Schuss. Das Bersten von Glas.
Kellys Schreie.

Bildergebnis für weil ich euch liebte linwood barclay knaurINHALT
Als seine Frau Sheila ums Leben kommt, bricht für Glen und seine Tochter Kelly eine Welt zusammen. Diese verantwortungsbewusste, gute Frau soll volltrunken eine falsche Autobahn-Auffahrt genommen und so zwei Menschen mit in den Tod gerissen haben? Glen kann es nicht glauben, auch wenn alles dafür spricht.
Dann kommt eine Freundin von Sheila um, unter genauso mysteriösen Umständen. Und Glen macht sich auf die Suche nach der Wahrheit, die über den Handel mit gefälschten Produkten bis zu Affären und Lügen im Freundeskreis geht - und die ganze Familie bald in große Gefahr bringt...

BUCHAUFMACHUNG
Durch die tristen Farben des Covers wird gut die Atmosphäre des Thrillers vermittelt. Im oberen Bereich ist die Hälfte eines Frauengesichts zu sehen, aus deren Mund Blut läuft - schade ist hier nur, dass keiner der Toten im Buch auf diese Weise umkommt, vor allem keine Frau. Ansonsten aber weckt die Gestaltung Interesse, wenn sie auch nicht sonderlich originell ist.

MEINE MEINUNG
Linwood Barclay ist bekannt für seine spannenden, fesselnden Thriller, von denen auch ich mir schon ein paar zu Gemüte geführt habe. Nun ist sein neustes Werk erschienen, das absolut klasse klang - und es auch war. Jedenfalls bis zum doch etwas zu konstruierten Ende...

"Weil ich euch liebte" beginnt mit einem Prolog um zwei Frauen, die eine Shoppingtour unternehmen wollen, die böse endet. Zuerst ist das etwas verwirrend, da es ja eigentlich um Glen gehen sollte, im Laufe des Buches wird das aber noch erklärt. Den Einstieg in die eigentliche Geschichte schafft der Autor mühelos und auf eine verständliche flüssige Weise, die einen sofort in die Geschichte eintauchen lässt. Als Sheila tot aufgefunden wird, kann Glen es nicht fassen: Seine Frau war Alkoholikerin? Doch die Indizien häufen sich, dass etwas anderes dahintersteckt, vor allem, nachdem eine gute Freundin von ihr ebenfalls einen Unfall erleidet und er nach einem Umschlag mit Geld gefragt wird, den Sheila zu übergeben hatte. Doch als Glen sich auf die Suche nach der Wahrheit begibt, bekommt er es auch mit einer tödlichen Gefahr zu tun...

Der Thriller fesselt von Anfang an, auch wenn er auf den ersten 100 in gewisser Weise eher einem Familiendrama ähnelt. Dann allerdings wird klar, dass die Ausmaße der Sache, in die so viele Menschen aus dem Freundeskreis der Garbers hineingerutscht sind, größer sind als angenommen und vor allem schwerwiegender. Im Laufe des Buches werden immer mehr Geheimnisse aufgedeckt, immer wieder passiert eine überraschende Wendung und Figuren entpuppen sich als anders als gedacht. So kann man sich nie ganz sicher sein, für wen man nun Sympathien hegt und für wen nicht.

Glen ist ein guter, verständlicher Protagonist mit der richtigen Portion Emotionen und Charakterzüge. Er hat seine schwachen Momente, will aber stark sein für Kelly und vor allem endlich wissen, was da vor sich geht, was ihn menschlich macht. Kelly selbst ist so, wie ich mir eine 8jährige vorstelle - extrovertiert, fröhlich, auch trotz des Todes ihrer Mutter. Aber durch den Schmerz und das Leid, das sie ertragen musste, ist sie auch ein wenig ängstlich, was von Barclay authentisch dargestellt wird.

Viele der übrigen Figuren sind dem Leser von Anfang an etwas suspekt, denn sie scheinen alle ein Geheimnis zu haben...Das Rätselraten gingen mir irgendwann auch etwas auf die Nerven, denn es gibt kaum eine Figur, die nicht in diese Sache verstrickt ist oder nicht wenigstens irgendein anderes Geheimnis hütet. Dennoch sind besonders die Charaktere, die hin- und hergerissen sind zwischen Gut und Böse auch die, die am Interessantesten dargestellt werden und so Frische hineinbringen.

Während Glen immer mehr Dinge aufdeckt, die er vielleicht besser nie hätte erfahren sollen und immer wieder in große Gefahr gerät, entwickelt sich der Thriller langsam aber sicher zu einem echten Page-Turner. Die Cliffhanger an vielen Kapitel-Enden lassen einen das Werk gar nicht mehr weglegen. Ich war gebannt und hing an den Seiten, wenn ich es auch gern gesehen hätte, wäre hier nicht des Öfteren die Perspektive gewechselt worden. So erfährt man zwar mehr über die Motive, allerdings ja nur der Leser, nicht die im Buch agierenden Figuren selbst, was so etwas schade ist.

Die zwei Showdowns zum Ende hin sind spannend und gut ausgearbeitet worden, allerdings vor allem nur die actionreichen Teile. Denn hier ist auch das Manko: Es sind eindeutig zu viele Täter und das auch noch aus allen Ecken und alle mit verschiedenen Motiven, sodass es ein wenig konfus und aus den Fingern gesogen erscheint. Außerdem war mir die eine Person von Anfang an nicht geheuer, weswegen ich mir schnell die Rolle dieser zusammenreimte. So ist der Schluss zwar fesselnd und ideenreich, aber durch die eindeutige Konstruierung der Ereignisse auch ein wenig enttäuschend.

FAZIT
"Weil ich euch liebte" ist mal wieder ein rasanter, spannender Thriller mit fast ausschließlich tollen Charakteren aus der Feder von Linwood Barclay. Das Werk  ist gewohnt flüssig und voller Geheimnisse - von diesen gibt es allerdings zwischendurch ein paar zu viel. Da das Ende leider auch too much auf mich wirkte, ziehe ich einen Punkt ab, empfehle diesen Roman aber trotzdem allen Thriller-Fans, die auf der Suche nach einem sind, der richtig fesselt.



Titel: Weil ich euch liebte
Originaltitel: The Accident
Autor: Linwood Barclay
Übersetzer: Silvia Vinsintini
Verlag: Droemer Knaur
Seitenzahl: 528 Seiten
ISBN-13: 978-3426510520


   Kommentare:

  1. Klingt, trotz dem zu gewollten Ende, echt super. Könnte definitiv was für mich sein. Halt ich mir mal im Hinterkopf.

    Liebe Grüße, Diti

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  2. mm. das Cover hat mich interessiert. aber wenn keiner so umkommt...

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  3. Meine Meinung zu Linwood Barclay ist etwas durchwachsen, und eigentlich stimmt es mit deiner Rezension gut überein. Seine Bücher bisher fand ich alle spannend, aber eigentlich alle sehr arg konstruiert. Da mir aber sein Stil gefällt und ich trotz dieser leicht sperrigen Form des Endes immer wieder gefesselt wurde, werde ich es wohl auch noch lesen.

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  4. Da könnt man ja glatt überlegen, ob man mal wieder einen Thriller zur Hand nimmt. Aber irgendwie bezweifle ich trotz hauptsächlich positiver Rezension, dass das Buch etwas für mich wäre. Mal schauen, aber danke für den Tipp :)

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