Back Down to Earth

[Buchrezension] Schweig still, süßer Mund - Janet Clark

Noch immer zitterte sie wie Espenlaup. Mit einem Schlag war alles wieder da - die Erinnerung an ihre letzten Minuten in Freiheit. Der Streit. Seine Wut. Der Hass in seinen Augen. Endlich wusste sie, wer er war.

INHALT
Janas Freundin Ella wird vermisst. Sie macht sich im Gegensatz zur Polizei, Freunden und Verwandten große Sorgen, weshalb sie eine eigene Suchaktion startet. Die Resonanz ist enorm, doch das Herausfiltern wichtiger Informationen schwierig.
Dann aber verfolgt Jana endlich eine heiße Spur, die auf kriminelle Machenschaften hinweist, in die ihre Freundin verstrickt war - und Geheimnisse ans Licht bringen, die sie sich fragen lassen, wie gut sie Ella eigentlich kannte. Was sie nicht weiß: Sie ist dem Täter schon viel näher als sie glaubte. Zu nah vielleicht...

BUCHAUFMACHUNG
Die Gestaltung des Romans finde ich wunderschön und ist ein einziger Augenschmaus durch die pinken Rosen auf dem weißen Hintergrund. Der Titel ist in einer chaotischen Schrift leicht erhaben aufgedruckt, was ebenfalls sehr ansprechend wirkt - im Regal ein echter Hingucker, auch wenn der Bezug zum Inhalt hier natürlich eher nicht vorhanden ist.

MEINE MEINUNG
Ich bin ja nun ein echter Thriller-Fan und nachdem absolut megamäßigen Trailer zu "Schweig still, süßer Mund" wusste ich, dass ich es haben muss. Aber leider konnte es meinen Erwartungen nicht ganz gerecht werden und überzeugt mich nur davon, dass ich für Jugend-Thriller anscheinend nicht geeignet bin.

Nachdem Jana Ella am Donnerstag zum letzten Mal gesehen hat, macht sie sich sofort Sorgen, als diese am nächsten vereinbarten Treffpunkt nicht auftaucht, tut dies aber als bloße Versetzung auf. Als ihre Freundin allerdings weiterhin verschwunden bleibt und auch niemand sie mehr sieht, beginnt Jana sich doch größere Sorgen zu machen...Ihre Angst um Ella ist von Anfang an sehr gut nachzuvollziehen - auch ich würde mir Sorgen machen, wenn meine beste Freundin plötzlich verschwunden wäre. Dass die Polizei hier nichts tut, weil das Mädchen beinahe volljährig ist, regt auf und macht fassungslos, und obgleich es verständlich ist, fühlte ich dennoch eine gewisse Wut.

Aus der dritten Person erzählt Jana von ihrem Alltag, den Ereignissen und Erlebnissen. Dabei lernt man sie recht gut als sympathisches, aber auch sehr naives Mädchen kennen. Sie schien mir sehr zwiegespalten: Einerseits will sie erwachsen sein und ernst genommen werden, andererseits verhält sie sich dem vollkommen entgegengesetzt, was mich des Öfteren ärgerte. Sie begibt sich laufend in gefährliche Situationen und ist unfassbar leichtsinnig. Ich konnte zwar meistens mitfühlen, dennoch konnte ich ihre Handlungen und vor allem ihre damit nicht übereinstimmenden Aussagen kaum nachvollziehen.

Die anderen Charaktere werden hauptsächlich sehr oberfächlich beschrieben, vielleicht auch, da man nur Janas Sichtweise erzählt. Fabian ist der nette, süße Kumpel, der anscheinend in sie verliebt ist, Ella eine eher zickige beste Freundin und Roman der verschwiegene, gutaussehende, der anscheinend ein Geheimnis hat...Einzig Miriam, Janas Schwester, hat mir in ihrer beschützenden, aber auch energischen Art sehr gefallen, auch wenn sie sich ab der Hälfte des Buches unnötig geheimniskrämerisch verhält.

Die Spannung des Romans wird hauptsächlich durch die Entdeckungen gehalten, die die Freunde immer wieder machen. Fabian, Miriam und Jana finden gemeinsam Dinge heraus, bei denen sie sich wünschen, dass sie nie ans Licht gekommen wären, was sehr fesselnd. Ansonsten aber lässt der Thriller-Anteil doch sehr zu wünschen übrig - Jana fährt hier hin und dort hin, spricht mit diesem, spricht mit jenem und manövriert sich hauptsächlich in unglaubliche Situationen - das wirkte jedenfalls auf mich irgendwann hauptsächlich ermüdend. Auch die das Passierte zusammenfassenden Briefe von Jana an Ella lösten bei mir nur Langeweile aus und sind meiner Meinung nach unnötig.

Die Liebesgeschichte bleibt natürlich auch hier nicht aus, ging mir aber auf jeden Fall viel zu schnell. Jana trifft Oliver das erste Mal und entbrennt sofort in Liebe zu ihm, obwohl sie grade noch ihrem Ex hinterhertrauerte. Ihre neue Flamme hinterließ bei mir keinen wirklich bleibenden Eindruck, er wirkte blass, wie der typische Sunnyboy und auch seine oft beschriebenen "traurigen Augen" konnten mich nicht davon abbringen. Auch seine manchmal seltsamen Anwandlungen und abweisenden Gesten wirkten eher konstruiert, da das alles irgendwie mit dem Ende zusammenpassen musste. Für mich gab dieser Part leider gar nichts her.

Zum Ende hin wird es dann endlich spannend. Unserer Protagonistin kommt endlich auf den Gedanken, den ich schon hunderte Seiten zuvor hatte und den auch die Autorin meiner Meinung nach viel zu früh preisgab. Nach diesem Geistesblitz allerdings tut Jana einmal wieder etwas für mich vollkommen unverständliches - sie sucht nämlich auf eigene Faust. Und die Entscheidung, die sie am Ende trifft, war für mich dann auch wieder so an den Haaren herbeigezogen, dass der große Pluspunkt des fesselnden Showdowns leider auch schon wieder verflog.

FAZIT
"Schweig still, süßer Mund" konnte mich leider nicht ganz überzeugen. Gute Ansätze sind da und besonders die Geheimnisse, die aufgedeckt werden, haben mir gut gefallen. Einige Handlungsstränge wirkten jedoch sehr konstruiert und die Hauptperson benimmt sich oft so unglaubwürdig, dass auch das spannende Ende nicht mehr alles raushauen kann. 3 Punkte - schade, Potenzial verschenkt!


Titel: Schweig still, süßer Mund
Originaltitel: -
Reihe: Nein
Autor: Janet Clark
Übersetzer: -
Verlag: Loewe
Seitenzahl: 352 Seiten
ISBN-13: 978-3-7855-7274-0

   Kommentare:

  1. Hallöchen :)
    Ich würde gerne meine Lieblingsblogs in meiner Sidebar verlinken und wollte fragen, ob ich dafür das Bild deines Headers nehmen kann. :)

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  2. Schade, klang so interessant...Ich werde es mir wohl jetzt nochmal überlegen.

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  3. @emely:
    Oh, das ehrt mich, danke! Klar darfst du das machen, darüber freue ich mich natürlich sehr! ;)

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  4. Ganz toll geschrieben. Liest sich wie immer super. Ich mag es leider überhaupt nicht, wenn sich Personen unglaubwürdig verhalten. Aber mal schauen. Vielleicht lese ich es trotzdem irgendwann.

    Liebe Grüße, Diti

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