Back Down to Earth

[Buchrezension] Whisper Island - Elizabeth George

Er sagte leise: "Ich habe dich gestern vor Carol Quinns Haus gesehen. Das warst du doch, oder?"
Sie warf ihm einen flüchtigen Blick zu. "Ja. Warum hast du mir gesagt, dass ich weggehen soll?"
Einen Augenblick lang sagte er nichts. Sie sah ihn an. Dann erwiderte er ihren Blick und schluckte. "Ich habe nicht die geringste Ahnung."

Inhalt:
Becca King kann Gedanken lesen, und das seit ihrem vierten Lebensjahr. Diese Gabe macht sich ihr Stiefvater skrupellos zunutze, indem er sie Kunden ausspionieren lässt. Doch eines Tages hört Becca in seinen Gedanken von seinem Mord an einem Geschäftspartner - und ist kurz darauf schon mit ihrer Mutter auf der Flucht. Diese will sie nach Whidbey Island zu einer Freundin bringen, um Zeit zu haben, eine neue Wohnung zu finden. Doch als Becca auf der Insel ankommt, ist die Freundin tot und ihre Mutter nicht mehr erreichbar...

Buchaufmachung:
Das Cover in seinem dunklen Blau mit dem schönen, traurig schauenden Mädchen wirkt sehr geheimnisvoll. Im Hintergrund sind violett-weiße Blumen zu sehen, die allerdings wohl mehr als Eyecatcher dienen.
Unter dem Schutzumschlag ist sieht das Buch genau gleich aus, der einzige Unterschied ist, dass das Mädchen fehlt.

Meine Meinung:
Nach der tollen Idee mit dem Online-Reality-Game Finding Becca war ich sehr gespannt auf das erste Jugendbuch von Bestseller-Autorin Elizabeth George. Doch schon die ersten Rezensionen dämpften meine Begeisterung ein wenig - worüber ich allerdings auch ein wenig froh bin. Denn wären meine Erwartungen während der Lektüre noch so hoch gewesen wie davor, wäre die Bewertung sicherlich noch schlechter ausgefallen...

Die Geschichte klingt ja nun wirklich mehr als spannend: Becca muss vor ihrem Stiefvater flüchten, doch die Freundin, bei der sie Unterschlupf finden sollte, ist nur wenige Stunden vor ihrer Ankunft gestorben. Und da sie ihre Mutter nicht erreichen kann, ist Becca vollkommen auf sich allein gestellt...Doch an der Umsetzung hapert es hier leider ziemlich. Vor allem, da die versprochene Spannung in weiten Teilen kaum vorhanden ist, weil einfach zu viel drum herum ist. Menschen, die die Hauptperson kennenlernt, erzählen plötzlich aus ihrer Sicht von ihren Beziehungs- und Familienproblemen - was zumindest mich als Leser allerdings überhaupt nicht interessierte. Denn die Story war ja nun eine völlig andere! Leider passierte das aber im Buch so häufig, dass ich manchmal gar nicht anders konnte, als abzuschalten...

Becca selbst ist eine Hauptfigur, die einem so überhaupt gar nicht nahe kommt. Sie ist interessant, ja, da sie nicht das typische starke, toll aussehende Mädchen ist. Stattdessen hat sie ihre Haare in einem hässlichen Braun gefärbt und trägt zentnerweise Make-Up, um nicht aufzufallen. Wobei ich sagen muss, dass man ja eigentlich grade dann auffällt...Sie war für mich einfach zu unscheinbar, zu lieb, zu brav. Ihre Gabe ist das einzige, was sie halbwegs interessant macht, aber das war es leider auch schon.

Schade nur, dass es mir mit den meisten anderen Figuren ebenfalls so ging. Über Derric, in den sie sich natürlich sofort verliebt - wobei dem Leser das hauptsächlich erzählt und nicht gezeigt wird - ist natürlich der Nette und Attraktive, ihr Kumpel Seth ist gutmütig und hat einen wunderbaren Großvater, der Sheriff ist irgendwas zwischen unprofessionell-ruppig und unfreundlich. Und sowieso alle haben ein Geheimnis, ist ja klar. All diese Klischees gingen mir doch irgendwann stark auf die Nerven und ließen mich das ein oder andere Mal aufseufzen. Die Einzigen beiden, die ich als interessant und recht ausgereift empfand, waren Debbie Grinder und Diana Kinsale, Beccas Retterinnen in der Not, wenn man so will. 

Die Geschichte plätschert dann so vor sich hin. Bis auf Beccas Gabe findet sich im Buch kein einziges Fantasyelement und statt der erhofften Spannung um das Wiederfinden ihrer Mutter geht es um Highschool-Zickereien und einen unausgegorenen Kriminalfall. Oft schien es mir so, als wolle die Autorin ihr Buch füllen, indem sie unwichtige Details und Gespräche einbaute. So viele Längen, so viel Überflüssiges - das hatte ich schon lange nicht mehr. Trotzdem schaffte sie es aber, mich durch einige Cliffhanger an den Enden mancher Kapitel bei Laune zu halten und die Spannung wieder aufleben zu lassen.

Der Schreibstil selbst ist absolut nichts besonderes und bleibt weder im Gedächtnis, noch vermittelt er ordentlich Gefühl. Oft wurden Gespräche nur erzählt statt ausgeschrieben, was für mich selbst nach der Hälfte immer noch gewöhnungsbedürftig war. Die Gedanken, die Becca hört, bestanden grundsätzlich nur aus unsinnigen Satzfetzen, was für mich komplett unverständlich war - welcher normale Mensch denkt bitte SO unzusammenhängend? Also ich für meinen Teil schaffe es eindeutig, ganze Sätze im Kopf zu formulieren! So war das Geschriebene zwar die meiste Zeit über flüssig, löste bei mir aber keine Begeisterung aus.

Die Auflösung der Sache, die die Menschen das ganze Buch über beschäftigt, ist dann später so schlecht und so langweilig, dass ich wirklich hoffte, dass ich irgendetwas überlesen hatte. Das kann sie ja wohl nicht ernst meinen?, war mein erster Gedanke - doch Elizabeth George kann. Banaler geht es kaum und einzig und allein darüber haben sich dann alle den Kopf zerbrochen...Zudem muss ich, auch wenn es schon viele vor mir getan haben, unbedingt noch diesen Fehler mit Freude anmerken, einem wichtigen Wort, das einfach...falsch übersetzt wurde. Das englische Wort ist vollkommen in Ordnung, aber man kann es doch so nicht übersetzen! An dieser Stelle hatte ich wirklich das Gefühl, auf den Arm genommen zu werden...

Fazit:
"Whisper Island" ist anscheinend entweder für jüngere Leser gedacht oder ich denke zu viel nach - mich konnte es auf jeden Fall leider nicht einmal mittelmäßig überzeugen und das, obwohl ich meine Erwartungen heruntergeschraubt hatte. Klischeehafte Figuren, viele Längen, ein gewöhnungsbedürftiger Schreibstil und ein komplett verpfuschtes Ende: Das reicht leider nicht mehr für 3 Punkte. Aber immerhin noch für 2,5. Wer auf einen spannenden Jugendroman hofft, sollte die Finger von diesem lassen. Schade!


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Mein Dank gilt dem Verlag für das Leseexemplar!

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   Kommentare:

  1. Stimmt da schreiben sehr viele schlechte Bewertungen, daher bin ich inzwischen gar nicht mehr sicher ob ich mir das Buch zulegen werde.

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  2. Ohje Ohje, hört sich ech nicht gut an. Auf das Buch werde ich verzichten ;)

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  3. Ich habe bei der letzten negativen Rezi schon beschlossen es nicht zu kaufen. Nach deiner würde ich es nicht mal als Geschenk lesen. Wirklich sehr toll geschrieben, und auch sehr unterhaltsam.

    Liebe Grüße, Diti

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  4. Eigentlich gebe ich nicht so viel auf Bewertungen anderer, aber langsam glaube ich auch, dass das Buch das Geld nciht wert ist und werde es mri wohl nicht zu legen.
    Normalerweise finde ich sollte man sich imemr selbst ein Bild machen und dann bewerten, da dies dem Buch un dem Autoren gegenüber eifnach fairer ist.

    LG

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