Back Down to Earth

[Buchrezension] Jägermond - Andrea Schacht

Sie kam von der Seite über ihn. Er verfehlte den Sprung und fiel durch die Wucht ihres Aufpralls um. Schon war sie über ihm. Er schlug nach ihr mit allen vier Tatzen. Fast wäre er sie losgeworden, da fuhr ihre Kralle wieder über sein Auge. Blut nahm ihm die Sicht. Ihre Reißzähne bohrten sie in seine Kehle. 
Es wurde schwarz um ihn.

Inhalt:
Bastet Merit, die Königin des Katzenreiches Trefélin, kommt in die Menschenwelt, um ihre sterbende Freundin Gesa ein letztes Mal zu sehen. Auf dem Rückweg allerdings kommt es zu Komplikationen - sie wird von einigen Raufbolden angegriffen und verliert ihr magisches Ankh, sodass sie nicht mehr zurück kann! Über Umwege gelangt jenes Amulett an Feli, die glücklicherweise auch Besitzerin eines Verständigungsringes ist, allerdings nicht ahnt, was es damit auf sich hat. Als dann auch noch ein Retter und drei Gehilfen ausgesandt werden, die Königin zu retten, und diese plötzlich vor Felis Tür stehen, ist das Chaos perfekt - und ein großes Abenteuer beginnt...

Buchaufmachung:
Das Cover ist dem Penhaligon-Verlag mal wieder wunderbar gelungen - es wirkt mystisch und weckt Interesse durch den Katzenkopf mit dem blau-goldenen Überzug, der vermutlich eines der Kopftücher sein soll. Unter dem Titel sind der Dolmen, also die Übergangsstelle, zu sehen. Hier ist die Verbindung von Inhalt und Design wirklich wunderbar gelungen, was nicht immer der Fall ist.

Meine Meinung:
Es ist schon lange her, seit ich mein letztes Katzenbuch gelesen habe, weshalb ich nur umso gespannter auf dieses war. Ich bin eine große Katzenliebhaberin, war allerdings erstmal sehr enttäuscht - bis ich mich richtig eingefunden hatte und die Geschichte anfing, Spaß zu machen.

Von der Idee selbst bin ich total begeistert. Bastet Merit verliert in der Menschenwelt ihr Ankh, was zu einigen Komplikationen und Verwirrungen führt, die nur gemeinsam gelöst werden können. Dabei kommen auch allerlei Geheimnisse zutage und schlussendlich muss noch ein Bösewicht gefasst werden, der versuchte, die Königin für immer auszuschließen - es gibt also reichlich Stoff für den Leser.

Anfangs, muss ich sagen, war ich nicht wirklich begeistert. Der Schreibstil hat mich etwas genervt, musste ich mich doch erstmal an die oftmals abgehackten und kurzen Sätze gewöhnen, ebenso an ungewohnte Worte wie "Schlapp" oder "Lupf". So ist mir die ersten 200 Seiten doch des öfteren ein ärgerlicher Seufzer entfahren. Außerdem werden gleich von Beginn an Unmengen von Figuren aufgeführt und im Laufe des Buches werden es auch immer mehr - ich muss zugeben, selbst am Ende wusste ich von manchen nicht, wer sie nun waren. Hier hätten getrost einige gestrichen werden können.

Nachdem ich mich aber endlich, endlich in die Geschichte, den Schreibstil und die Figuren eingefunden hatte, begann sich bei mir auch endlich Spannung aufzubauen. Ab da wollte ich wissen, was als Nächstes geschieht, ich war gespannt darauf, wer sich als Bösewicht entpuppen würde und ich wollte wissen, wie es mit den Protagonisten weitergeht. Diese geraten immer wieder in Schwierigkeiten und können ihre Pläne nicht immer so durchziehen, wie sie sich das gedacht hatten - das hat ungemein für ein Mitfiebern meinerseits gesorgt. Außerdem waren auch die Sichten der verschiedenen Katzen so gut nachzuvollziehen, ohne zu menschlich zu wirken, dass ich mich immer wieder darauf gefreut habe.

Die Figuren wurden von Seite zu Seite sympathischer - allen voran Che-Nupet, die dicke, faule Katze, die eigentlich gar nicht so faul ist, sondern ihre Intelligenz und ihr Wissen nur perfekt zu verstecken weiß. Ich kann mich hier wohl nur allen anderen anschließen, dass ich eine solche Zuneigung für diese Süße entwickelt, dass ich sie nach ein paar Seiten, auf denen sie fehlte, schon vermisste. So einen Charakter könnte jedes Buch gebrauchen, denn er lockert alles ungemein auf.

Aber auch die anderen werden einem von Seite zu Seite sympathischer - der arrogante Nefer, der seine Arroganz fast gänzlich ablegt, der weise Amun Hab, der hilft und zuhört, das Menschenmädchen Feli, voller Herzensgüte, das nach anfänglicher Ängstlichkeit seine wahre Stärke erkennt, ebenso wie Finn, der sich endlich durchzusetzen lernt. Alle waren sehr gut charakterisiert und entwickelten sich im Laufe des Buches glaubwürdig weiter, sodass man sie immer mehr ins Herz schloss.

Leider gab es aber für meinen Geschmack auch so einige Ungereimtheiten - so verschwindet Finn für ganze zwei Monate einfach aus der Menschenwelt und keiner macht sich Sorgen. Oder die Katzen können, wenn sie sich zu Menschen verwandelt haben, in deren Reich alles kaufen, obwohl sie das Geld dafür doch gar nicht haben können. Das sind nur zwei Beispiele, die mich zwischendurch doch die Stirn haben runzeln lassen und mir das Lesevergnügen ein wenig nahmen, weil hier einfach hätte erklärt werden können.

Die schönen Beschreibungen der Landschaften, die vielen originellen Ideen und der meist sehr witzige Stil Andrea Schacht machen dies allerdings wieder wett. Ich sah ganz Trefélin die ganze Zeit vor meinen Augen und so einige Sprüche ließen mich auch mal laut auflachen. Ebenso fand ich die Ideen, nach denen das Leben der Katzen hier beschrieben wurde, einfach super - die Prüfungen, die Rangordnung, die Kopftücher. Und diese Originalität hat schlussendlich dafür gesorgt, dass sich meine Meinung von diesem Buch noch so drastisch gewandelt hat.

Fazit:
Ein schönes und witziges Buch, das vor Cleverness und wunderbaren Beschreibungen sowie niedlichen Charakteren nur so strotzt. Zwar gab es ein paar Ungereimtheiten und der Schreibstil war etwas gewöhnungsbedürftig, doch nachdem ich reingekommen war, wurde es noch ein richtiges Lesevergnügen. Daher noch ganz knappe 4 Punkte.


Das Buch auf der Verlagswebsite: Klick

Meinen Dank für das Rezensionsexemplar!

randomhouse.de/penhaligon

   Kommentare:

  1. Das Cover erinnert mich ein bisschen an die "Warrior Cats" von Erin Hunter. *g

    Die Geschichte klingt ganz gut. Mal schauen, ob sich das Buch nicht bei einem der nächsten Einkäufe in meine Hand verirrt ... ;)

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  2. UI, na das hört sich doch richtig interessant an-wobei mir das Cover eher nicht zu sagt :D Aber das ist bekanntlich ja Geschmackssache :)

    LG
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  3. So ähnlich habe ich das Buch auch empfunden. Wobei ich die schlapp, mirr, mau Ausdrücke ganz süss fand. Ich wusste zwar immer, wer wer ist, aber mit 2-3 Personen weniger wäre die Geschichte auch gut gewesen. Che-Nuppet war supercool! :-)

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  4. Vielen Dank für die ausführliche Rezension!
    Liebe Grüße vom Penhaligon Verlag

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