Back Down to Earth

[Buchrezension] Ghost Street - Josh Ericson

Er streckte seine Hand nach seiner sterbenden Geliebten aus und sein Blick wanderte nach oben.  "Herr, wir bereuen unsere Sünden! Zeige uns deine Gnade und nimm uns in deinen Himmel auf!" Das Feuer griff auf seinen Körper über. "Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme..."
Die Flammen verschluckten seine Worte und er starb an Marys Seite. Er hörte nicht, wie der Killer lachend in seinen Wagen stieg und davonfuhr.

Inhalt:
Alessa ist eine junge Staatsanwältin, sehr pflichtbewusst und gleichzeitig trotzdem noch menschlich. Sie setzt sich für die ein, die es schwierig haben. So kommt es, dass sie in eine Mordserie verwickelt wird, bei der nur Schwarze bestraft werden - sie setzt alles daran, den Mörder zu finden. Durch einen geheimnisvollen jungen Mann erfährt sie immer wieder wichtige Details, die auf der Suche weiterhelfen. Doch der Killer ist ihr schon viel näher als gedacht...

Die Buchaufmachung:
Das Softcover ist durchgehend in einem hellen blau-weiß gehalten, das sehr geheimnisvoll und spooky wirkt. Das Männergesicht auf dem Cover bildet mal eine Abwechslung zum sonstigen, hat allerdings leider nicht wirklich viel mit der Geschichte zu tun - lieber gewesen wären mir hier ein paar Personen in den Kutten des Ku-Klux-Klans.

Meine Meinung:
Josh Ericson hat sich für seinen Roman ein interessantes und heftiges Thema ausgesucht - ich kann mir vorstellen, dass dafür viel Recherche notwendig war. Dementsprechend groß waren aber auch meine Erwartungen, die das Buch leider nicht ganz erfüllen konnte. Ich hatte mir mehr erwartet.

Gleich im ersten Kapitel wird der Mörder als Erzähler verwendet, wodurch man eine sehr gute Sicht auf die Tat bekommt. Die Gedanken wirken sehr wirr und sehr kühl, genauso wie ich mir das bei einem solchen Menschen vorstelle. Gleichzeitig ist es auch sehr verstörend und hart, zu lesen, wie die Person über Schwarze denkt und was sie für richtig hält - hier und auch in anderen Kapiteln, in denen der Killer erzählt, musste ich schon des öfteren schwer schlucken. Diese Gefühle hat der Autor sehr gut und erschreckend authentisch dargestellt.

Die weiteren Personen, von denen erzählt wird, sind Alessa und Detective Jennifer McAvoy. Ich muss sagen, hier war ich ein bisschen enttäuscht. Ich dachte, Alessa wäre die Hauptperson und um sie würde sich alles drehen, stattdessen liest man aber hauptsächlich von der Polizistin - so erfährt man zwar viel über den Fall, ihre Ermittlungsarbeit und das gesamte Geschehen, doch ich habe es immer lieber, wenn sich ein Buch auf einen Hauptcharakter festlegt. So war mir das viel zu viel Gewusel, vor allem, wenn eine der beiden grade an einer sehr spannenden Stelle angekommen war, und dann die Sicht gewechselt wurde.

Josh Ericsons Schreibstil ist sehr einfach und wenig ausführlich, sodass mir die Personenbeschreibungen oftmals zu kurz kamen, ebenso ein wenig zu klischeehaft. Die aufbrausende aber schlaue und faire Polizistin, die nette, liebe und gerechte Staatsanwältin, der durchschnittlich aussehende aber unglaublich anziehende David - sie waren im Grunde genau die Gegenteile des Gewöhnlichen, daher aber ebenso stereotyp und voraussehbar. So richtig konnte ich mich auf keine Figur einlassen und obwohl Spannung aufkam, habe ich dennoch nicht wirklich mitgefiebert.

Die Jagd auf den Mörder und das Rätselraten um ihn ist sehr spannend gestaltet worden, allerdings wirkte die kleine Liebesgeschichte zwischen Alissa und David so fehl am Platze. Sie kam vollkommen zu kurz. Entweder hätte das Buch länger sein müssen oder dieser Part hätte weggelassen werden sollen, auf jeden Fall habe ich einfach nicht die Gefühle nachempfinden können, die so groß beschrieben wurden.

Dafür kam die geheimnisvolle und manchmal auch gruselige Stimmung klasse rüber - wenn Alessa in ihrem Keller durch einen alten Gang schleicht und Stöhnen und Kettenrasseln hört, dann lässt es einen schonmal erzittern. Jeden Moment hatte ich das Gefühl, jemand würde hinter mir stehen...So ein leichtes Schauergefühl hat hier perfekt hinein gepasst, weswegen das Buch letztendlich nicht nur mittelmäßig ist.

Der Showdown war meiner Meinung nach zu kurz, denn er geht nur über etwa 15 Seiten. Hier kommt kein richtiger Kampf, sondern die Detectives haben einfach ganz plötzlich so ein Gefühl...und finden so den Mörder. Hier hätte das noch weiter ausgearbeitet werden können, denn so kam mir das sehr unglaubwürdig vor. Wer der Killer ist, ist sehr überraschend, aber auch logisch, denn er war einer der wenigen, die so gut Bescheid wissen konnten über das, was die Polizei plante. Zwar hat es mich genervt, dass er wieder einmal alles ausgeplaudert hat - weil er sich ja mal wieder so schlau vorkam -, dennoch hat mir die Auflösung sehr gefallen.

Fazit:
Ein leicht schauriger Mystery-Roman, der zwar spannend ist, aber leider keine wirklich überzeugenden Charaktere bietet. Die Story ist gut, ebenso wie das Ende, doch es fehlte für mich einfach das gewisse Etwas. 3,5 Punkte dafür.


Das Buch auf der Verlagswebsite: Klick

Meinen herzlichen Dank für das Leseexemplar!

Ueberreuter
ueberreuter.at

0 Kommentar/e:

Kommentar veröffentlichen

Der Blog wird 7!

Meine aktuelle Lektüre

Meine aktuelle Lektüre
"Ich bin nicht tot" von Anne Frasier [14/432]

Mein letzter Kinobesuch

Mein letzter Kinobesuch
"Paddington 2" am 02.12.

2017 Reading Challenge

Kittyzer has read 1 book toward her goal of 60 books.
hide
Folge mir auf Facebook
Folge mir auf Twitter