Back Down to Earth

[Buchrezension] LügenHerz - Beatrix Gurian

Ally hat Tränen in den Augen. Sie steht auf, räumt die Gläser in das Waschbecken, um alles abzuspülen. Es arbeitet in ihr. Deshalb bleibe ich ganz ruhig, sie muss von allein drauf kommen, es muss ihre Idee sein.
"Mila, ich finde deine Racheengelvisionen super", sagt sie ein paar Sekunden später tatsächlich und mein Herz fängt an, aufgeregt zu klopfen. "Ich würde dir dabei eigentlich auch gern helfen."
Ich hab sie. Jetzt nur nichts falsch machen.

Inhalt:
Ally war eigentlich schon immer mehr die Außenseiterin. Geplagt von einer kühlen Staranwältin als Mutter und einer absoluten Nervensäge von Bruder, wohnt sie allein in einer umgebauten Garage und entwirft eigenen Schmuck.
Dann tritt Mila in ihr Leben. Mila ist anders - schön, mutig und entschlossen. Entschlossen dazu, Tobias Landgraf, einem verhassten Lehrer von Ally, eine Abreibung zu verpassen. Ally zögert nicht lange und beschließt, ihrer neuen Freundin zu helfen. Doch schon bald wird ihr klar, dass diese jedes Maß aus den Augen verloren hat und so entwickelt sich ein tödlicher Wettlauf mit der Zeit...

Die Buchaufmachung:
Das gesamte Buch ist mit interessanten Ornamenten in rosa und grau-blau-violett verziert, was recht hübsch aussieht. Auf dem Cover ist ein Herz aus roten Glassplittern zu sehen, das gut zum Inhalt der Geschichte passt. Insgesamt ist die Aufmachung sehr hübsch, nur der Klappentext innen und auf der Rückseite wäre schöner in Blockschrift gewesen, denn so wirkt es etwas unorganisiert.

Meine Meinung:
Bisher habe ich nur einen Arena-Thriller gelesen und mit dem habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Deswegen hatte ich sehr gehofft, nun eines besseren belehrt zu werden - doch das ist leider nicht ganz gelungen.

Schon die Grundstory des Buches konnte mich nicht ganz überzeugen. Welches normale Mädchen hilft seiner neuen Freundin, die es grade mal seit ein paar Wochen kennt, dabei, einen Rachefeldzug durchzuführen? In dieser erschreckenden Art und Weise? Ich weiß genau, ich würde das nicht tun, sondern mit allen Mitteln versuchen, die Polizei doch einzuschalten, anstatt bei so etwas mitzumachen.

Ally erschien mir sowieso als sehr naive und geradezu schwachsinnige Figur. Sie benimmt sich nicht wie 17, sondern wie 14, sie glaubt jede noch so kleine Lüge, sie ist sich nicht der Folgen bewusst und sie lässt sich sogar von Mila dazu zwingen, trotz ihrer Klaustrophobie in eine kleine Höhle zu steigen. Immer wieder konnte ich über sie nur den Kopf schütteln und war nach einiger Zeit auch reichlich genervt.

Mila, die neue Freundin, wirkte auf mich dafür wie eine sehr labile und kranke Person. Ich konnte mich partout nicht mit ihr identifzieren, weil sie so unnormale Gedankengänge hatte, die schon an psychische Unzurechnungsfähigkeit grenzten. Auf den letzten 100 Seiten des Buches wird sie dann sogar richtig gemeingefährlich! Zwar erklärt sie später, was in ihr vorging, aber die Auflösung fand ich doch reichlich weit hergeholt, um sie sich ritzen zu lassen und solche Pläne zu schmieden.

Das, was einem auf etwa Seite 200 aus große Überraschung präsentiert wurde und andere Leser vielleicht schockiert hat, hat mich vollkommen kalt gelassen - denn dass das so war wusste ich schon im 1/5 des Buches. Auch ansonsten hat der "Thriller" keine großen Spannungsmomente. Für mich war er auch weniger ein Thriller als ein Mädchenbuch mit ein paar winzigen Thrillerelementen, denn alles war viel zu konstruiert und spannungsarm, als als so etwas durchzugehen.

Der Showdown riss das ganze Werk dann endlich mal aus der Langeweile, die es in seinen Klauen hielt, denn der ist wirklich recht gut gemacht. Hier habe ich gemerkt, dass Beatrix Gurian wusste, wovon sie schrieb und dass sie sich Gedanken darum gemacht hatte. Wirklich mitgefiebert habe ich nicht, da mir die Figuren alle ziemlich egal waren, aber immerhin habe ich mich gefragt, wie sie da wieder herauskommen wollen.

Ansonsten hat mich das alles nicht wirklich umgehauen. Die Nebenfiguren blieben blass und unglaubwürdig, der Hintergrund für Milas Rachegelüste auch mehr oder weniger. Das letzte Kapitel ist eine Aufzählung der folgenden Ereignisse, was ich gar nicht leiden kann. Es wäre besser gewesen, das Buch davor enden zu lassen, denn das wirkte auf mich nur noch einmal arg konstruiert und langweilend.

Fazit:
Ein ganz nettes Buch, das ich aufgrund der fehlenden Spannung und wenig originellen Auflösung aber nicht "Thriller" nennen würde. Die Figuren wirkten hauptsächlich aufgesetzt, aber der Showdown war gut, weswegen es von mir noch 3 Punkte gibt.



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Meinen Dank an den Verlag für das Leseexemplar!

arena-verlag.de

   Kommentare:

  1. "Welches normale Mädchen hilft seiner neuen Freundin, die es grade mal seit ein paar Wochen kennt, dabei, einen Rachefeldzug durchzuführen? In dieser erschreckenden Art und Weise?"

    Berechtigte Frage. Allein aufgrund dieses Logikfehlers ist die Story zum Scheitern verurteilt. (wenn die Autorin keine einleuchtenden Gründe für findet)

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  2. Unglaubwürdige Figuren? Okay, danke für die Warnung, über so was reg ich mich auch immer auf.

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  3. Oh, oh. Klingt ja garnicht gut. Scheint nichts besonderes zu sein. Dabei waren die Bewertungen so gut (z.B. Amazon 5/5). Ich schiebe es mal ein wenig hinten in der Wunschliste. LG, Diti

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