Back Down to Earth

[Buchrezension] Mein fahler Freund - Isaac Marion

Sie packt meine Hand, die, die ich an Ms Gesicht zerschmettert habe, und sie drückt sie so fest, dass ich weitere Schäden fürchte. Sie sieht mich an. „Na, R?“
Ich ziehe sie an mich. Ich schlinge die Arme um sie und halte sie so fest, als könnte ich unsere Gene verschmelzen. Stirn an Stirn stehen wir da, und ich bin drauf und dran, sie zu küssen, doch stattdessen trete ich zwei Schritte zurück, und wir fallen aus der Tür.

Inhalt:
Die Welt liegt in Schutt und Asche, und eine Seuche macht die Toten zu Zombies. So einer ist auch R, der sich nicht mehr an sein früheres Leben und seinen richtigen Namen erinnern kann. Wie alle anderen frisst er einfach nur Menschen und vegetiert so vor sich hin, auch, wenn er vielleicht etwas wortgewandter und nachdenklicher ist als die anderen.
Als er und ein Trupp von Zombies sich mal wieder auf den Weg machen, um Essen zu suchen, trifft R Julie und ist sofort hin und weg – allerdings hat er grade das Hirn ihres Freundes gegessen und fühlt sich ein bisschen schuldig. So rettet er sie vor den anderen und nimmt sie mit dahin, wo er wohnt. Nur bringt er sich und auch Julie dadurch in große Gefahr…

Die Buchaufmachung:
Auf dem Cover sieht man einen Mann mit sehr ungesunder Gesichtsfarbe und schwarzen Haaren im Anzug, der wahrscheinlich R ist, neben einer hübschen blonden Frau, Julie. Dadurch erfährt man zwar einen kleinen Teil, nämlich dass es um Zombies geht, aber es wird nicht gleich die ganze Geschichte verraten, was mir sehr gefällt. Etwas nervig finde ich den roten Streifen mit Stephenie Meyers Meinung zu dem Buch, denn ehrlich gesagt ist mir das herzlich egal, denn so etwas lässt ja nun nicht unbedingt auf die Qualität schließen.

Meine Meinung:
Isaac Marion hat mit Mein fahler Freund das Rad vielleicht nicht neu erfunden, schließlich sind die Zombies in seinem Werk in den meisten Aspekten genau wie in den ganzen Horrorfilmen. Dafür ist die Thematik aber sehr frisch und die Handlung wunderbar neu – denn wer hat schon einmal von einem Zombie gelesen, der durch das Hirn eines Mannes, das er grade gegessen hat, Visionen bekommt und sich daraufhin in dessen Freundin verliebt?

R selbst, dieser etwas seltsame Zombie, ist eine wirklich tolle Persönlichkeit, sehr genau und gut durchdacht, sodass er zwar wie ein Untoter wirkt, aber gleichzeitig auch etwas sehr menschliches an sich hat. Zwar kann ich jetzt nicht behaupten, dass ich mich unbedingt „leidenschaftlich in ihn verliebt“ hätte, aber ich konnte doch sehr gut mit ihm mitfühlen, ihn verstehen und seine Handlungen eigentlich ohne Ausnahme nachvollziehen. Er ist einfach jemand mit so vielen menschlichen Macken, sodass ich oft vergessen habe, dass er eigentlich ein Zombie ist – bis dann die Sprache auf seine Eigenschaften eines Untoten kam.

Bei Julie dachte ich anfangs, sie wäre, wie es halt in vielen anderen solcher Romane auch ist, das Klischee einer schönen jungen Frau, die keine eigene Meinung und kein Rückgrat hat und hinter dem Held herschwarwenzelt wie ein kleiner Hund. In diesem Punkt habe ich mich allerdings drastisch getäuscht, denn die Charakterisierung von Julie ist etwas, an dem sich viele Autoren ein Beispiel nehmen können. Sie ist absolut unperfekt, ihre Meinung vorzubringen ist für sie ebenso wichtig wie Gerechtigkeit walten zu lassen und obwohl sie sehr schnell Vertrauen zu R fasst, wirkt sie doch nicht naiv, sondern einfach abwägend. Sie weiß einfach, von wem Gefahr ausgeht, und wenn es darauf ankommt, dann kann sie auch Angst haben. Für Julie habe ich eigentlich fast noch mehr Sympathie gehegt als für R.

Was ich allerdings schade finde, ist, dass man als Leser nicht ganz erfährt, was die Welt nun zu dem gemacht hat, das sie in Julies und Rs Welt nun ist. Ein paar Dinge werden genannt, aber man erfährt zum Beispiel nicht, wodurch nun die Seuche ausgelöst wurde, weil die Menschen immer noch auf der Suche nach dem Grund sind. Außerdem wurde kein Motiv dafür genannt, dass die verschiedenen Länder sich gegenseitig fertig gemacht haben. Hier fehlte mir noch mehr Erklärung, sodass man als Leser am Ende in diesem Bereich nicht im Dunkeln tappen muss.

Außerdem waren mir Rs Gedankengänge manchmal zu schwer. Vielleicht bin ich zu jung oder einfach dumm, aber manchmal werden hier Sätze so verschachteln oder extrem schwierige Worte genutzt, sodass ich verwirrt zurückblieb, während die Geschichte weitersprang. Wirklich gestört hat das nicht, aber der Lesefluss wurde manchmal gestört und das finde ich schade.

Dafür wird besonders in Rs Gedanken und seinen Gefühlen deutlich, dass Isaac Marion ein eindeutiges Talent fürs Schreiben besitzt. Seine Umschreibungen sind detailliert, aber nicht ermüdend, R wirkt authentisch und realistisch, auch wenn er ein Zombie ist, was zumindest bisher nicht wirklich realistisch ist. Marion schafft es mit einer autoritären Selbstverständlichkeit, dem Leser die neue Welt und die darin lebenden Gestalten und sich befindlichen Gefahren zu zeigen und sie ihm verständlich zu erklären. Dadurch konnte ich mich fast sofort auf das Buch einlassen und in Rs Welt eintauchen.

Der Showdown ist ebenso gut gelungen wie der Rest, nur steigert sich hier wirklich die Spannung kontinuierlich bis seinem Höhepunkt, an dem ich dann gebannt den Atem anhalten musste, weil endlich alles gelüftet wird und die verschlungenen Knoten der Handlung sich lösen, um zu einem Strang zu werden, den man endlich einmal ganz fassen kann. Der Autor schafft es hier, das Buch zu einem guten Abschluss zu bringen, leider gelingt es ihm aber nicht, ihn so zu gestalten, dass er dem Leser länger als ein paar Tage im Gedächtnis bleibt. Ich für meinen Teil hätte mir hier noch einmal etwas größeres gewünscht.

Fazit:
Mein fahler Freund ist ein guter Debütroman mit wunderbaren Figuren und einer tollen Story. Empfehlenswert für alle, die mal etwas Abwechslung von den Vampiren, Werwölfen und Engeln brauchen oder einfach etwas Originelles wollen.


Das Buch auf der Verlagswebsite: Klick

Vielen Dank an den Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

http://klett-cotta.de


   Kommentare:

  1. Oh was für eine schöne Rezension!! :) Aber das Cover zu dem Buch finde ich richtig gehend hässlich :( Wieso machen die das immer nur?

    LG
    -----------------------------------------------------
    www.ThrillerOnline.de
    Jeden Montag neuer Lesestoff

    AntwortenLöschen
  2. Ja, stimmt, so vom Cover her hätte ich das Buch irgendwie niiiee gekauft. Aber sonst hört es sich ja ganz gut an!

    AntwortenLöschen

Empfohlener Beitrag

[Gewinnspiel] Herbstlektüren

2017 Reading Challenge

Kittyzer has read 1 book toward her goal of 60 books.
hide

Meine aktuelle Lektüre

Meine aktuelle Lektüre
"Unsere verlorenen Herzen" von Krystal Sutherland [114/384]

Mein letzter Kinobesuch

Mein letzter Kinobesuch
"Blade Runner 2049" am 13.10.
Folge mir auf Facebook
Folge mir auf Twitter