Back Down to Earth

[Buchrezension] Forbidden - Tabitha Suzuma

Ich wische mir über die Wangen, drehe den Kopf und blicke zu ihm hoch. "Aber was soll denn falsch daran sein? Unsere Liebe kann doch nichts Schreckliches sein, wir tun damit doch niemandem was!"
Er schaut mich an, seine Augen glänzen in dem schwachen Licht. "Ich weiß nicht", flüstert er. "Wie kann etwas so Falsches sich so richtig anfühlen?"

Inhalt:
 
Das Leben, das Maya und Lochan führen, ist kein einfaches - ihre Mutter fühlt sich noch immer als Jugendliche, trinkt und verbringt fast nur Zeit bei ihrem jüngeren Freund. So müssen sich die Geschwister um die drei jüngeren Kinder kümmern, das Geld auftreiben und auch noch den ganzen Haushalt schmeißen sowie sich um die Schule kümmern. Sie teilen sich die Aufgaben und müssen stark zusammenhalten, damit nicht alles auseinanderbricht.
Doch grade diese viele Nähe sorgt dafür, dass die beiden bald nicht mehr fühlen wie normale Geschwister. Sie verlieben sich wider jeder Vernunft ineinander - sie wissen, dass es verboten ist, dass andere es als pervers und krank ansehen. Und sie können doch nichts gegen ihre Gefühle tun und steuern unaufhaltsam auf eine Tragödie zu...

Die Buchgestaltung: 
Der Schutzumschlag ist in einem schlichten, reinen weiß gehalten, nur Rosenblätter fallen von oben herab und zeigen so die Verletzlichkeit der Liebe von Maya und Lochan. Der Titel, Untertitel und Autorenname wird von einem Herz aus Dornen umrahmt, was sehr gut den dramatischen Unterton der Geschichte widergibt.
Unter dem Schutzumschag kommt ein sehr schön gebundenes Buch mit demselben Cover zum Vorschein, nur ohne das Herz und den Untertitel.

Meine Meinung: 
Tabitha Suzuma legt mit diesem Buch ihr beeindruckendes Debüt vor - ein Debüt über eine verlorene Kindheit, eine kaputte Familie und eine Liebe über alle Grenzen.

Ihr Schreibstil ist extrem bildlich und sehr beschreibend, sodass sich der Leser sofort in die Gefühlswelt der Protagonisten, Maya und Lochan, einfindet. Abwechselnd erzählen die beiden von ihrem Alltag, von dem Stress, den sie haben und von ihrer Zuneigung zueinander, die schon immer über ein gesundes Maß hinausging. Trotz der vielen Monologe, in denen all ihre Ängste und Wünsche dem Leser nähergebracht werden, bleibt die Spannung erhalten - denn als Leser will man einfach erfahren, wie die beiden herausfinden, was sie füreinander empfinden und wie sie damit umgehen. Allerdings ist es trotzdem zwischendurch recht ermüdend, ellenlange Absätze darüber zu lesen, wie sehr die beiden sich ein normales Leben wünschen. Sicherlich ist es das, was man sich in solchen Situationen wünscht, aber durch die kaputte Familie geht auf viel vom eigentlichen Plot, der heimlichen Liebe, verloren und kommt zu wenig vor.

Die Gefühle der beiden zueinander waren immer sehr groß, das merkt man von der ersten Seite an - Lochan kann sich auf niemanden einlassen außer seiner Familie und Maya lebt ihr Leben für die Kinder und für Lochan. Ohne den jeweils anderen könnten die beiden in ihrer chaotischen Welt mit einem kleinen Mädchen, einem pubertierenden Jugendlichen und einem ungezogenen Jungen nicht überleben. Doch dass die Zuneigung der beiden bis hin zu inniger Liebe reicht, wird das erste Mal nach 150 Seiten aufgegriffen und das ist etwas spät. Vor allem, da man aus Lochans Sicht zwar erfährt, was er fühlt, Maya aber bis zwei Seiten vor dem ersten Eingeständnis noch darüber nachdenkt, dass es in ihrem Leben niemanden gibt, mit dem sie gern zusammen wäre. Hier wurde die Storyline zu sehr in dem begraben, was zwar ebenso wichtig, aber trotzdem nebensächlicher ist.

Trotzdem wird die Liebe der beiden dem Leser danach sehr gut nahe gebracht. Ihre Zweifel lassen sie kaum klar denken, ihr Wunsch, nicht mehr nur heimlich ihre Gefühle zeigen zu dürfen, die Sehnsucht nach dem jeweils anderen, die einfach nicht besiegt werden kann. Ebenso können sie ihrem Wunsch nach Berührungen in ihrem Familienleben kaum nachgeben, weil sie sich die meiste Zeit um die Kinder kümmern müssen. Oft berühren sich Maya und Lochan über zwanzig Seiten hinweg kein einziges Mal, sondern denken nur aneinander. An diesen Stellen wird leider oft wiederholt, denn die Monologe ähneln sich zwischenzeitlich sehr.

Maya und Lochan selbst wirkten auf mich sehr ausgereift und sehr gut charakterisiert. Er ist ein schüchtener junger Mann, der es hasst, mit fremden Menschen zu reden oder auch nur mit ihnen zusammen zu sein, während Maya beliebt ist. Sie ist hilfsbereit und gutmütig, will aber nicht immer zurückstecken, während Lochan sein Leben für das der anderen geben würde. Die beiden unterscheiden sich sehr voneinander, passen aber zusammen wie Puzzleteile und erscheinen oftmals wie Seelengefährten. So wünscht man sich als Leser die gesamte Zeit über ein Happy End. Ich wollte, dass sie es schaffen, dass sie die Grenzen überwinden, einfach, weil es nicht gerecht ist, eine solch wunderschöne Liebe zu zerreißen.

Das Ende hat mir persönlich einerseits gefallen und andererseits nicht. Ich war enttäuscht, weil es einfach vorhersehbar war, was passiert und weil ich es schon die gesamte Zeit gewusst hatte. Und ich war zufrieden, weil es die gesamte tragische Stimmung des Romans noch untermauerte. So ist es aber auch unfassbar traurig und wird die sensiblen Leser - solche wie mich - sicherlich zum Weinen bringen.

Fazit:
Forbidden war ein wenig anders als erwartet, weil es einfach viel weniger von dem eigentlich versprochenen Plot in sich hatte. Trotzdem ist es eine wunderschön-tragische Liebesgeschichte, die es wert ist, gelesen zu werden. 4,5 Punkte dafür.


Mein herzlicher Dank für dieses Rezensionsexemplar!

oetinger.de

Das Buch auf der Verlagswebsite: Klick

   Kommentare:

  1. Ohhh...das hört sich einfach toll an!!! Wobei mich dein Fazit verwirrt, nciht das ich mit falschen Vorstellungen an die Sache gehen würde?
    Hmmm....na ja, es ist jedenfalls auf meinem WZ!

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