Back Down to Earth

[Buchrezension] Nicht alle Geister lieben mich - Kate Logan

"Cedars Creek hat Ihnen bisher nicht viel Glück gebracht", sagte er ernst. "Vielleicht sollten Sie Ihre Sachen packen und nach Hause fahren."
Was sollte ich darauf erwidern? Dass der Geist, mit dem ich zusammenlebte, dasselbe sagte? Dass er sich seine Ratschläge dahin stecken konnte, wo die Sonne nicht schien? Letztlich entschied ich mich für ein diplomatisches Nicken, das so gut wie alles bedeuten konnte, und verließ das Gebäude, ohne mich noch einmal umzusehen. Erst auf der Straße blieb ich stehen, atmete tief durch und versuchte, meinen rasenden Puls zu beruhigen.

Inhalt:
Nach den ereignisreichen Wochen, seitdem Sam in das Haus ihrer verstorbenen Tante in Cedar’s Creek gekommen ist, ist sie eigentlich ganz froh darüber, es endlich wieder etwas ruhiger zu haben. Beziehungsweise, sie wäre froh darüber, denn ruhig ist es ganz sicher nicht.
Der Sheriff stellt zu viele Fragen, in Sams Haus wird eingebrochen, durch eine fehlerhafte Beschwörung wird der gesamte Friedhof zum Leben erweckt. Und wäre das alles nicht genug, benimmt sich ihre große Liebe Nicholas, ein Geist, auch noch seltsam, denn seitdem er lebendig war, kann er seine Gier nach Atem kaum noch unterdrücken…Sam weiß: Sie muss handeln. Aber wie soll sie das alles alleine schaffen?

Die Buchaufmachung:
Wie auch schon beim Vorgänger ist das Cover des Buches wunderschön. Es wirkt düster und geheimnisvoll, im Vordergrund steht eine Engelsstatue, im Hintergrund ist ein Friedhof zu erkennen. Der Engel hat leider nichts mit der Geschichte zu tun, weswegen er etwas irreführend wirkt, aber die Stimmung des Buches wird so sehr gut wiedergegeben. Der Titel des Werks sticht rot hervor und vermittelt ein noch bedrohlicheres Gefühl. 

Meine Meinung:
Ich hätte ehrlich gesagt niemals erwartet, dass es jemals noch einen zweiten Teil um Sam und Nicholas geben könnte. Umso mehr habe ich mich gefreut, als es vier Jahre nach dem ersten Band nun doch so weit war – und ich wurde nicht enttäuscht, wenn dieser doch trotzdem nicht an den Vorgänger Der Geist, der mich liebte herankommt.

Brigitte Melzer, hier unter dem Pseudonym Kate Logan, ist sowieso eine meiner Lieblingsautoren und wie immer hat mich ihr Schreibstil sofort in den Bann gezogen. Sie schreibt bildhaft, flüssig und fesselnd, die Figuren erscheinen fast schon real und ihre Beschreibungen sind so gut, dass man eine genaue Vorstellung von den Orten hat, an denen die Handlung stattfindet. Cedar’s Creek hat zwar achttausend Einwohner, wird hier aber dennoch als beschauliches Städtchen beschrieben, wo jeder jeden kennt. Wie das funktionieren soll, weiß ich nicht, das kommt mir ehrlich gesagt etwas übertrieben vor, aber durch Sams Perspektive wirkt es doch authentisch auf einen. Leider hat Melzer/Logan hier aber auch den Hang zu Umschreibungen, die sich über ganze Absätze ziehen und so nach einiger Zeit ermüdend wirken. Ich für meinen Teil wollte einfach nicht alles bis ins letzte Detail beschrieben haben, sondern ich wollte, dass die Geschichte weitergeht!

Die Storyline ist sehr gut und spannend gelungen, genau durchdacht und sie passt gut zum Vorgänger. Allerdings kommt alles etwas schwerfällig in Gang, denn auf den ersten zwanzig Seiten wird einfach die gesamte Vorgeschichte noch einmal durchgekaut. Das mag schön und gut sein, auch ich wollte meine Erinnerungen schließlich auffrischen, aber muss denn dort wirklich noch mal alles aufgezählt werden? Das hätte einfach besser in den Lauf der Geschichte eingearbeitet und damit verwoben werden können.

Die Figuren sind wie immer bei dieser Autorin wunderbar charakterisiert und sie haben alle ihre eigenen Eigenschaften – von der etwas naiven, aber großherzigen Sam über den liebevoll und beschützenden Nicholas bis hin zu Sheriff Ed, dem Gegenteil des Klischees, und Laura, einer neugierigen jungen Frau auf geheimer Mission. Was mich allerdings gestört hat, war die Tatsache, dass hier nicht nur aus Sams Sicht geschrieben wird, sondern eben auch aus Eds und Lauras. Sicher, so kann man beide besser verstehen und auch das Geschehen nachvollziehen, aber Sam ist mir einfach sympathischer, während die anderen beiden mir stückweise einfach auf die Nerven gegangen sind. Vielleicht, weil es in diesen Kapiteln grundsätzlich natürlich nicht um Nicholas ging.

Ansonsten aber hat mir das Buch wieder sehr gut gefallen. Der Spannungsbogen ist eindeutig vorhanden, wenn er auch etwa in der Mitte einmal ein wenig einsackt, weil keine Action vorkommt. Zum Ende hin steigert dieser Part sich aber und spätestens ab Seite 280 kann man nur noch immer weiterblättern und nicht mehr aufhören, denn man will ja wissen, was hinter alle dem steckt und wie es ausgeht. Der einzige Wehrmutstropfen, den es noch gibt, ist einfach die wenige Romantik und Leidenschaft zwischen Sam und Nicholas. Natürlich ging es auch im Vorgänger hauptsächlich um die Geschichte, aber auch wenn ich kein Schnulzenleser bin, ein paar mehr Liebesschwüre hätte ich mir hier doch gewünscht.

Fazit:
Ein würdiger Nachfolger des ersten Bandes, der aber nicht ganz überzeugt. Aufgrund einiger Schwächen, aber auch sehr vieler positiver Aspekte, vergebe ich für Nicht alle Geister lieben mich vier Punkte.


Das Buch auf der Verlagswebsite: Klick


Mein herzlicher Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlag


ueberreuter.at

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