Back Down to Earth

[Buchrezension] Blown away - Terhi Rannela

Ein schrilles Piepen teilt ihr mit, dass sie eine SMS bekommen hat. Aura holt ihr Handy vom Schreibtisch. Andreas und eine für ihn typische Nachricht: „Objection is when I say: this doesn’t suit me. Resistance is when I make sure that what doesn’t suit me never happens again. Komm her – Herr B. ist fertig.”
Aura erkennt das Zitat schnell. Ulrike Meinhof. „Herr B.“ ist ihre Geheimsprache. Andreas hat endlich die Bombe fertig bekommen.

Inhalt:
Seit dem Unfalltod ihrer Mutter geht es mit der zuvor aufgeweckten und fröhlichen Aura steil bergab – in der neuen Schule wird sie heftig schikaniert, ihr Vater ertränkt seinen Kummer im Alkohol und ihre Freunde wollen nichts mehr von ihr wissen. Sie wird immer trauriger und trauriger, auch ihre Lehrer helfen ihr nicht und lassen sie einfach allein.
Nach Jahren dieses Kampfes, als sie schon in eine totale Faszination für die Terroristin Ulrike Meinhof abgerutscht ist, trifft Aura Henri. Dieser ist zehn Jahre älter, reif und gutaussehend. Schnell träumt Aura von einem gemeinsamen Leben, weil sie sich durch Meinhof mit ihm verbunden fühlt. Doch Henris Pläne sind anders – er will Aura mit einer Bombe in ihre alte Schule schicken…

Die Buchaufmachung:
Auf dem Cover des Softcovers ist eine Person mit wirr ins Gesicht hängenden Haaren zu sehen, die anscheinend entsetzt die Hände vor den Mund schlägt. Rote Abgrenzungen vermitteln das Bild eines zerbrochenen Spiegels. Das Cover wirkt gruselig und sehr düster, vermittelt die Grundstimmung des Romans aber sehr gut.

Meine Meinung:
Terrorismus ist grade jetzt ein wichtiges Thema, ein Thema, über das gesprochen werden sollte im Anbetracht der der Lage im Irak und neuerdings auch in Norwegen. Daher bin ich sehr froh darüber, dieses Buch vom Kosmos-Verlag zur Verfügung gestellt bekommen zu haben.

Terhi Rannela lässt ihre Geschichte über Mobbing, Unterdrückung, Angst und Psychose entstehen aus einer Situation, mit der die Hauptperson eigentlich nicht allein steht: Ein Elternteil stirbt. Das allein ist schon schlimm genug, doch Auras Verhalten wird erst danach ernsthaft geprägt – durch ihren trinkenden Vater, den Umzug, das Mobbing. In der ersten Hälfte des Thrillers ist sie ein trauriges Mädchen, mit dem man als Leser einfach nur Mitleid haben kann, weil es so allein ist, weil die ganze Welt gegen es zu sein scheint. Dass die Verwandten und all die anderen einfach nicht sehen, was geschieht und wie sehr sich Aura nach und nach von ihnen entfernt, ließ mich mehrmals traurig und entsetzt den Kopf schütteln. Hier ist der Autorin sehr gut und authentisch eine dramatische Ausgangssituation gelungen, aus der dann alles weitere folgt.

Leider verrennt sie sich aber ab Teil 2 auch in Auras seltsamer Faszination der Terroristin Ulrike Meinhof und ab da kommt der Leser nicht mehr immer mit. Im Grunde ist das alles sehr lesenswert, weil man so viel über diese Frau und ihre Taten erfährt, gleichzeitig kommt es aber auch mehr als einmal vor, dass hier Dinge aufgegriffen werden, die man ohne ein gewisses Vorwissen nicht nachvollziehen kann. Zwar werden diese dann hinterher geklärt, lassen aber trotzdem ein schales Gefühl der leichten Verwirrung zurück.

Außerdem wird Aura einem spätestens ab der Sache mit ihrer Geschichtslehrerin sehr unsympathisch. Zwar konnte ich immer noch ihre Gedankengänge nachvollziehen und ich verstand auch, warum sie fühlte, wie sie fühlte, aber sie wurde doch sehr abgehoben und wenig greifbar, einfach zu wenig authentisch. Mag sein, dass manche Menschen mit einer schwierigen Vergangenheit einfach anfangen, in Autoritätspersonen Freunde zu sehen und sich für die krassesten Dinge interessieren, aber das, was Aura irgendwann beginnt zu tun ist einfach…recht krank. Das kann gewollt sein, dass man das Mädchen einerseits abstoßend findet und andererseits versteht, aber ich habe immer meine Schwierigkeiten damit, wenn ich einen Protagonisten nicht gut leiden kann.

Ebenso schlimm und gleichzeitig sehr gut gelungen ist, wie Terhi Rannela das Bild von Auras und Henris selbstzerstörerischer Beziehung schraffiert. Beziehungsweise, für Aura ist sie zerstörend, Henri sieht das alles als Experiment mit einem kleinen Mädchen an, das er für dümmer hält als es ist. In mir jedenfalls löste er einen starken Hass aus. Sein Verhalten, die Teile aus seiner Sicht – grausam, kaltbütig, grandios. Hier merkt man sehr gut, dass die Autorin weiß, wie sie ihre Buchfiguren charakterisieren muss.

Ihr Schreibstil ist wenig beschreibend, konzentriert sich mehr auf die Geschehnisse und auf die Gefühle, obwohl auch diese eher neutral widergegeben und mehr durch Auras Briefe an ihre Mutter deutlich werden. Sonderlich umgehauen hat mich die Schreibweise nicht, in ihrer Kälte und manchmal durchscheinenden Hitze ist sie aber genau richtig.

Das Ende ist noch einmal ein sehr großer Pluspunkt für das Buch – es ist mehr oder weniger offen, denn obwohl alles unausweichlich genau darauf zusteuert kann man doch nicht sicher sein. Ist letztendlich vielleicht doch etwas schief gegangen? Wurden die Briefe abgefangen, sodass sie nie die Wahrheit kundtun konnte? Ist etwas beim Bau schiefgegangen? Das wird man als Leser nie erfahren und das ist die Sache, die einen noch darüber nachdenken und alle Szenarien durchspielen lässt. Was genau das ist, was ein Ende tun sollte – einen darüber nachdenken lassen.

Fazit:
Ein guter Thriller mit einem aktuellen und erschütternden Thema, gut durchdachten Figuren und einem unvergleichlichen Plot. Aufgrund des nicht umwerfenden Schreibstils und der zwischendurch nicht nachzuvollziehenden Protagonistin nicht die volle Punktzahl, aber trotzdem eine eindeutige Empfehlung! 


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Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar!

kosmos.de

   Kommentare:

  1. Hört sich total spannend an, das muss ich unbedingt lesen! Gerade, da das Thema ja immer aktuell ist.

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  2. Hört sich gruselig an. Ich habe einen neuen Award für dich. :)
    -> Klicken

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  3. ich habe das Buch auch gelesen, wie hat es gut gefallen.

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  4. Hey, finde die Rezension super gut, informierend! :D Habe alles genau wie du empfunden...

    Liebe Grüße,
    Pie Rath.

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